Die Bühnenfassung ist eher ein Monolog von Jens (Thomas Braungardt) mit szenischen Einstreuungen. Die Schauspieler verkörpern mehrere Rollen, mit kleinen Details – etwa einem Bart und Brille oder einem Haarreif mit angeklebtem Pony – verwandeln sie sich in die jeweilige Figur. Ein Wechselspiel, das mitunter verwirrend ist und oberflächlich wirkt, weil der Kostümwechsel zu Lasten gut ausgespielter Rollen geht. Lustiger Fixpunkt in diesem Mix sind Holger, Eike und Wolfgang, die Bungalowgenossen von Jens, gespielt von Studenten des Schauspielstudios Dresden. Tobias Krüger heitert als chauvinistischer Holger, kommunikativer russischer Offizier und seriöser, aber ungewollt komischer Pastor auf. Lukas Mundas gelingt der Betreuer Wulf besser als seine Hauptrolle Eike. Max Rothbart schlägt sich in allen Partien ganz gut. Die weibliche(n) Rolle(n) mimt Laina Schwarz, die sich als gefoppte Peggy und Lagerleiterin Rita am besten behaupten kann.
Thomas Braungardt ist ein Jens, den jeder nur zu gut verstehen kann. Entweder, weil man selbst mal so ein Jens war, oder, weil man einen kannte. Mit ihm kommt alles in den Zuschauerreihen an, was die Otto-Normal-Jugend ausmacht: die schizophrene Suche nach der eigenen Identität, der verständnislose Kampf gegen die flachen Witze der „Coolen“ und die Unsicherheit bei der ersten Erfahrung mit der Liebe. Jens meint meist alles ernst, was er sagt, und erntet damit doch die meisten Lacher. Trotzdem ist er ein sympathischer Kerl, den man am Ende, als er mit Mutti und Vati im Wartburg nach Hause fährt und sich ihnen gegenüber irgendwie fremd fühlt, vollends versteht.
Die Inszenierung arbeitet mit Videoelementen als ein Hauptgestaltungsmittel. Noch vor dem Beginn der eigentlichen Vorstellung flimmern auf zwei Leinwänden kleine dokumentarisch anmutende Episoden: zum einen Erzählungen von Kindern, die in der heutigen Zeit im Ferienlager Schneckenmühle zu Gast sind, und zum anderen verschiedene Menschen, die Fragen zu ihrer eigenen und den grundsätzlichen Diskursen der Jugend beantworten. Auch während der Vorstellung wird das Video eingesetzt: als Lupe oder Kulisse für die stimmmungsvolle Untermalung von Szenen.
Um den DDR-Hintergrund der Schneckenmühle verstehen zu können, sollte man historisches Wissen mitbringen. Aber auch ohne dieses ist die Inszenierung ein charmanter Ausflug in die eigene Jugend, auch wenn man nie ein Ferienlager besucht hat.
