Vasallentreue Schößlinge
Eingebettet ist das Trio in eine groteske Szenerie: auf einem alten Sofa und vor exotischer Papageientapete sitzen drei Miniaturpuppen. Dort wo der künstliche Kopf sein sollte, befindet sich jener der Schauspieler, die in Handschuhen die filigranen Arme ihrer Figuren bewegen. Ihre einzige Struktur bilden die mehrfachen täglichen Besuche der distanzierten und somit passend benannten Direktorin „Frau Fern“ (Mathias Znidarec). Sie kündigt die Nachtruhe an und gibt ihren vasallentreuen Schößlingen Tabletten. Wenn sie sich nicht gut entwickeln, auch gleich mehrere.
Im zweiten Raum werden wir zweier BallettänzerInnen im Tutu gewahr, die mit mimischer Grandezza von Edda Wiersch (als Alma) und Marielle Layher (wechselnd zwischen Jan und Johanna) verkörpert werden. Vor der Klangkulisse von Debussys „Clair de Lune“ und anderer erlesener Klassik zeigen sich hier zwei völlig unterkühlte Damen, in deren Augen allerdings das gegenseitige Begehren aufblitzt. Das hierarchische Verhältnis wirkt geradezu als Katalysator für eine Lust an der erotisch konnotierten Disziplinierung. Im Vordergrund steht jedoch das Lernen von Schrittfolgen, die als modern angesehen werden. Es gilt das Credo: „Das Veraltete ist misslungen und das wird nicht geduldet“. Außerdem ist der Mensch durch den Typus des Tänzers gänzlich zu ersetzen.
Leistungsdruck in der Moderne
Was sich in dieser – abgesehen von den humoresken Verfremdungseffekten und der schauspielerischen Verve – zum Ende hin zähen Aufführung offenbart, ist die Koppelung des Modernen an einen geradezu mechanisch zu befolgenden Leistungsdruck. Bestehen kann nur, wer sich auf die Prinzipien Abhärtung und Anpassung fixiert und dabei der permanenten Selbstoptimierung Rechnung trägt.
Nur ist das neu? Wohl kaum. Angesichts der Ambition des Stücks, uns die Welt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mal zu erklären, fällt Leppers Text mau aus, da es sowohl an hinreichendem Dialoggespür als auch an einer übergreifenden Idee mangelt. Nicht einmal die Regie unter Alia Luque oder gar die großartige Bühneninstallation eines Christoph Rufer wissen noch, über die sich spätestens in der zweiten Hälfte des Abends einstellende Langeweile und inhaltliche Leere hinwegzutäuschen. Es bleibt das Gefühl, ein Stück aus einer vergangenen Zeit gesehen zu haben, das nun als Omas kalte Küche in dem weitaus progressiverem Raumensemble der Kunsthalle neu aufgewärmt wird.
