Diese Problematik hat im Zeitalter Freuds natürlich auch eine psychoanalytische Komponente. Leider hält sich Regisseur Axel Köhler nicht damit auf, sondern erzählt die Geschichte sozusagen vom Blatt. Was unfreiwillige Parodie, aber auch szenische Peinlichkeiten einschließt. Henrike Bromber tut bei den Kostümen ein Übriges. Sie bietet auf, was der Kostümfundus schon immer fürs Orientalische vorsah. Auch Bühnenbildner Arne Walther kommt nicht über kreuzbrave Orientalismen hinaus.
Anke Berndt darf da als Schahrazade nur eindimensional agieren. Das macht sie allerdings sehr gut. Den vokalen Maßstab der Produktion setzen hier aber Gerd Vogel als Kalif und Ki-Hyun Park als Großwesir und Schahrazades Vater. Im Graben ist der neue GMD der Staatskapelle GMD Josep Caballé-Domenech mit Erfolg darauf bedacht, den Zusammenklang des Orchesters mit dem Dauer-Parlando der Protagonisten zu sichern und dabei die eigenwillige atmosphärische Diktion der Orchesterzwischenspiele wirken zu lassen. Das Premierenpublikum würdigte die Anstrengung aller Beteiligten gebührend. Ins Repertoire dürfte es diese Oper angesichts der übermächtigen und prominenten Konkurrenz gleichwohl nicht schaffen.
