Am Theater für Niedersachsen in Hildesheim inszeniert Ayla Yeginer die schon 2017 in London uraufgeführte Komödie. In einer vertikalen, mit Kunstrasen überzogenen Klappwand stecken die zwei Räume, in denen sich der größte Teil der Handlung abspielt: Gerrys Arbeitszimmer und die Wohnung der beiden Tierschutzaktivisten. Als eine Art Erzähler fungiert Simone Mende als Inspektor Clout, der (in bester Tradition überforderter Dorfpolizisten) den Fall der gestohlenen Knochen ohne wirkliches eigenes Zutun doch löst.
Handzahme Drogengeschichte
„Gras drüber (raising martha)“ ist ein Stück wie auf Standard-Einstellungen geschrieben: Gerry als sympathisch-verdrogter alter Mann, seine Schwester Robin als ängstlich-schüchterne Frau, ihre Tochter Caro als intrigante Schönheit, Marc und Jago als Duo irgendwo zwischen „Pinky und Brain“ und „Dumm und Dümmer“. Alle diese Figuren trudeln ungebrochen durch die Well-Made-Komödie, die selbstverständlich reich an überraschenden Wendungen und Situationskomik ist. Das alles ist ein wenig ermüdend, weil nicht viel passiert, was über die Komödien-Standards hinausgeht. Zwar ist das Duo Marc und Jago manchmal lustig, zwar ergibt sich aus den Figuren Gerry und Robin zusammen auf Bühne durchaus die eine oder andere Pointe. Zwar ist Clout, der sich als Poirot, Holmes oder Columbo durch die Geschichte der Ermittlerfiguren arbeitet, eine skurrile Figur.
Auch wenn Gerry an seiner geliebten Kröte Agamemnon lutscht und zwei rollschuhfahrende Froschdiener auftauchen und somit Potential für Absurditäten vorhanden wäre, bleibt „Gras drüber (raising martha)“, eher handzahm und bietet dabei über zwei Stunden Spielzeit wenig außer einer Komödie, der es nicht gelingt, aus gewohntem Boden mehr als ein paar magere Pointen zu ernten.
