Das Kammerorchester unter Domonkos Héja ist mit Violine, Akkordeon, Harfe, Percussion, Horn und Kontrabass eher ungewöhnlich besetzt. Daraus entsteht ein überraschend voluminöser und kraftvoller Klangraum, der gekonnt Doves Mischung aus keltischer Verspieltheit und filmreifer Dramatik fasst. Das Libretto ist dabei eher ein Stichwortkatalog, wenige oft wiederholte Satzfragmente oblegen es den Sängern, den Plot mit Spiel, Stimme und Stimmung zu füllen. Das gelingt der Chemnitzer Besetzung bravourös (was auch der Premierenapplaus honorierte): Monica Brett-Crowther als unwillige Schwiegermutter in spe weiß gekonnt zwischen Gesangsstimmungen zu wechseln. Guibee Yang zeigt sich vielseitig als Chorus und als wunderbare Ursache von Gänsehaut in der Rolle des Schwans. Michael Heim beweist als Lemminkäinen, dass er nicht nur über Stimmgewalt, sondern auch über spielerisch-komisches Talent verfügt. Wenn er seinen „Heiligen Pömpel“ mit Klebeband an eine Lanze wickelt und sich dabei diebisch freut, wird das zum großen Spaß. Den transportierten auch die kleineren Gesangsrollen (André Riemer, Martin Gäbler) sowie die Nebendarsteller oder der Akrobat und Feuerkünstler Felix Häckell.
Erstaunlicherweise kommt Webers „Swanhunter“ damit bei Vertretern aller Generationen an. Diese Inszenierung erreicht sechsjährige Mädchen (große Freude, als Lemminkäinen zerhackt wird) und sechzigjährige Männer (strahlend dabei, mit einem Pappschild in die Rolle der Sonne zu schlüpfen) gleichermaßen. Hier schuf der Regisseur eine dankbar ungewöhnliche Musiktheater-Performance, die Oper in ihren Mitteln zwar nicht unbedingt neu erfindet, aber genügend Innovation vereint, um auch weit über das Abopublikum hinaus zu begeistern.
