Die Bühne ist erstmal eine Bühne, die Applausaufforderung auf einem Animationsleuchtschild durchgestrichen, „weinen“ steht dort. Und darunter ein Klavier, an dem traurige Lieder aus der deutsch-romantischen und global-melancholischen Popliteratur gesungen werden. Andererseits ist die Bühne auch das Raumschiff Erde, ziemlich schäbig heruntergewirtschaftet, teilweise schon ausgeweidet. Eine Schrottkiste. Oder ist es das Ufo Bonn Parks, in das er seine letzten Bekehrten geladen hat, bevor die Welt apokalyptisierte? Jedenfalls sind dort bekannte Saulusse als Paulusse als zu erleben: böse Menschen, die plötzlich eine gute Idee hatten und damit scheiterten. Denn die Welt, die ist nicht so.
Zuerst ins Rampenlicht tritt ein medial als rücksichtslos infantiler Diktator bekannter Herr: „Der fassungslose Kim Yong-un“ behauptet, er wolle die beiden Koreas wieder vereinen. Da er einst an einer Berner Schule ausgebildet wurde, gibt Lukas Graser die Rolle mit monotonem Schwyzerdütsch-Akzent – als etwas trottelige Trantüte. Sie erzählt, Südkorea angerufen zu haben, um das mit dem Frieden zu klären, wäre doch ganz einfach, aber die hätten zu viel zu tun gehabt, um sich darum zu kümmern. Und Kim selbst vergaß auch das richtige Formular für das Gespräch auszufüllen – scheiterte also an der Absurdität der Bürokratie, findet das „megaschade“ und vergleicht sich daher mit K. aus Franz Kafkas „Schloss“. Nun folgt der „ernüchterte Donald Trump“ mit seiner Gutmenschwerdung. Steckt seinen Kopf in eine Plastikkugel und berichtet, den Job im Weißen Haus geschmissen zu haben, um mit seinen Dollarmilliarden alle Waffen der Welt aufzukaufen und einzuschmelzen. Den Metallberg kauft dann ein Araber als Kunstwerk – und nutzt ihn als Material für den Waffenneubau. Dass Trump und Kim gerade etwas politisch Hochbrisantes trennend verbindet, ignoriert die Aufführung. Macht weiter mit den Polit-Comedy-Soli. Die „zornige Frau, die die Sozialdemokratie rettet“ setzt gegen die dicken alten Kanzlerkandidaten-Verlierer auf sozialpolitische Grundsätze. „Die fette Heidi Klum“ entsagt ihrem Treiben, Frauen vom Essen abzuhalten, damit sie als Haut und Knochen durchs Leben frieren können. Als Buße frisst sie nun feist selbst alles Böse auf der Welt – zum Beispiel Brexit-England, AfD-Wähler, ach was, alle Menschen, „die scheinbar einfach nichts richtig machen können, weil sie scheiße sind und so, so blöd.“ Nach ihren Reden reihen sich die Schauspieler in die Raumschiffbesatzung, die notdürftig herumrepariert und die Vergeblichkeit des eigenen Tuns durch Clownsnummer illustriert – etwa immer und immer wieder daran zu scheitert, einen riesigen Schraubenschlüssel in einen winzigen Koffer zu packen. Soweit. Dann geht Bonn Park aufs Ganze. Will zum Glück verführen. Dazu das Theater als Anbahnungsinstitut temporärer oder lebenslänglicher Paarbildungen nutzen. Eine Schauspielerin animiert das Publikum, sich der Sitznachbarin, dem Sitznachbarn zu widmen. Ganz tief in die Augen schauen, verbal Respekt bekunden, Händchen halten, Wange streicheln – und dann küssen. Lieben. Bonn Park ist ein sympathischer Alien, wie er den Glauben verbreitet, die Welt müsse eine Kuschelteddystube werden. Zur Not eben mithilfe solcher Teenie-Party-Spielchen.
Vielleicht hat der eine oder die andere dabei ein paar schöne Augenblicke oder herzerwärmende Beklemmungen erlebt. Denn ansonsten ist das „Knurren der Milchstraße“ in seiner satirisch gemeinten Zwangskomik und einer musikalisch gemeinten Redundanz vor allem dünne – siehe auch obiges Textbeispiel. Die Inszenierung schafft kaum Mehrwert zum Ach-Welt-Geplapper, wirkt läppisch hilflos in ihrer müden Verspieltheit. Statt galaktischem Befreiungsschlag – irdisches Workshop-Scheitern.
