Spannung zu erzeugen bleibt vor allem den Sängern überlassen: Umwerfend sind Spannbreite und Wandelbarkeit, die die Sopranistin Olivia Stahn und der Countertenor Daniel Gloger stimmlich wie darstellerisch an den Tag legen. Beide haben nicht weniger als drei Rollen unterschiedlichen Geschlechts zu verkörpern, die sie zuweilen gegeneinander in den Dialog oder gar Streit führen – und dies in Reyna Bruns’ personenfokussierter Inszenierung mit geradezu beängstigender Glaubwürdigkeit. Ohne diese würde man im schizophrenen Galopp ständig neuer Identitätsverwirrung erliegen.
Klarheit stiftet ein wohltuend simpler Symbolismus in der Ausstattung (Stephan von Wedel): Alles schwarz wie die Nacht, nur vereinzelte Goldspuren erinnern an Jasons Mission, das Goldene Vlies zu finden. Der mächtige Torbogen, der anfangs noch einen goldenen Schleier trennend zwischen Jason und Medea hält, bleibt nicht lange stehen: Er fällt, er bricht, zum Schluss bleibt kein Stein auf dem anderen. Das war klar.
Weitere Aufführungen am 7.2., 10.2., 27.6. und 29.6.
