Anne-Kathrin Klatt, die den „schönen Fischer“ für die Bühne bearbeitet hat, führt auch Regie, hat die Kostüme entworfen und einer charaktervolle Rattenpuppe gebaut, die den Großwesir darstellt. Sie knüpft in ihrer Inszenierung an orientalische Erzählertraditionen an. Osman ist der Erzähler, der mit seiner Nichte Aylin und dem Musiker Süleyman durch die Lande zieht. Murat, der Osman hat erzählen hören, fühlt sich so angezogen, dass er auch Erzähler werden möchte. Geschickt mischt Klatt Rahmenhandlung und Märchen miteinander, spiegeln sich die Ebenen, treiben sich voran, unterstützt von der Musik von Volkan Can.
Klatt setzt alle Möglichkeiten des Erzähltheaters virtuos ein und fordert das Ensemble, insbesondere Andreas Laufer als Erzähler Osman, der mit starker Ausstrahlung und Spielfreude auch noch den Sultan übernimmt und, wie nebenbei, die Großwesir – Puppe und die Figuren eines Schattenspiels hervorragend führt. Linda Lienhard spielt die Prinzessin als neugierige junge Frau, die erst lernen muss, was das Märchen als Botschaft verkündet: „Kein Streit ist sinnlos, wenn man dabei Versöhnung lernt.“ Henry Braun ist der schöne Fischer, zurückhaltend, schüchtern, aber gleichzeitig alles mit selbstverständlichem Gleichmut hinnehmend, als Murat darum kämpfend, als Erzähleleve aufgenommen zu werden. Was am Ende gelingt.
Adam Slowik hat eine praktikable Bühne gebaut, die von einer Zeltkonstruktion beherrscht wird, die mal Harem, mal Schiff ist, Rahmen für eine temporeiche Inszenierung, die den Zuschauer mitreißt und alles enthält, um ein deutsches und ein türkisches Publikum gleichermaßen zu erreichen. Da verschwinden selbst die Zweifel, ob denn die Prinzessin wirklich so klischeehaft als Bauchtänzerin daher kommen muss. Kurz: die Kunst des Geschichtenerzählens überragt alles.
