Wenn sie sich dann aber in ihrem Medium ausdrücken, sind sie durchweg überzeugend. Da sich Rossa glücklicherweise nicht dem Druck aussetzt, eine biographisch strukturierte Geschichte zu erzählen, kann er im Vertrauen auf die motorischen Impulse der Musik seiner Phanatasie in einem souveränen Stilmix freien Lauf lassen. Da bei Thiago Fayads „Comfort ye my people“ und Johan Plaitanos „Behold, and see“ Soli „Improvisation“ vermerkt ist, gilt das offensichtlich auch für diese beiden fabelhaften Tänzer. Ein besonderer Coup sind die slowmotion Ensembles im Gegenlicht.
Während Carla Caminatis Kostüme (vor allem der Jogginghosenlook) Geschmacksache bleiben, sind die Bühne von Matthias Hönig und seine perfekte Lichtzauberei eine Klasse für sich. Vier farbig leuchtende Rahmenportale, die sich nach hinten verjügen und im Hintergrund zwei geschlossene Rahmen. Diese Harmonie aus Farbe und Geometrie gerät effektvoll aus den Fugen, wenn es im furiosen „Why do the nation so furiosly rage together“ das Ensemble das Rasen der Völker imaginiert. Sie kommen ins Lot der Hoffnung beim „Hallelujah“. Die Liebe zum Messias wird hier ohnhin vor allem als Liebe zwischen den Menschen in einem innigen Pas des deux begriffen. Beim „For unto us a Child is born“ flippen sie aus, wie die Royalisten in England, die auf das zweite Kind von Kate und William warten. Ein ergreifend heiterer, phantasievoll ausformulierter Abend! Es ist einer von Ralf Rossas besten.
