Auf der Suche nach Antworten
Diese vier Performer in leicht verfremdeten, überwiegend gelben Arbeitsmonturen kontrollieren dieses Röhrensystem auf etwaige Überlast, aber auch Unterlast. Diese Ausschläge treffen auch auf Gefühle zu: Zu moderat sind sie langweilig, zu heftig wirken sie explosiv, zu wenig verwandelt die Welt in Eis. Mehr noch: Gefühle äußern sich oft ohne Kontrolle. Wie kann man dann aber über sie sprechen? – das ist der Forschungsauftrag, den die Vier haben: Wie über etwas reden, dass jeden bewegt und sich doch so schwer in Worte fassen lässt?
Amy und Faris – die Performer reden sich mit ihren Vornamen an – sowie Frederic Lilje und Gerd Ritter stürzen sich lustvoll bei dieser Stückentwicklung von Grete Pagan und dem Ensemble in dieses Vorhaben, spielen Ekel über Angst bis hin zur Melancholie die Gefühle durch, mal expressiv pantomimisch, mal in Kämpfen (Choreographie: Franzy Deutscher) zur Stoppuhr, mal vor Angst durch den ganzen Raum hetzend, zumal, wenn sie von Monstern gejagt werden. Lustvoll haschen sie über die Beleuchtungsbrücke, greifen zu den Instrumenten und musizieren gemeinsam, um sich zu beruhigen, oder um sich ihrer Gemeinschaft zu versichern (Musik: David Pagan). Die Vier versuchen sich selbst Aufgaben zu geben. Im Verlaufe des Spiels schaltet sich immer mehr die Maschine ein, die, wenn die Gefühle überborden, Bälle ausspuckt. An der kleinen Trafostation werden kleine Aufträge mit Fragen an den einzelnen Performer ausgedruckt, die immer persönlicher werden, wenn beispielsweise am Schluss Gerd Ritter gefragt wird, wie er sich seine Beerdigung vorstelle?
Die Performer bleiben allerdings nicht nur bei sich. Sie wenden sich auch direkt an das junge Publikum und beziehen es in ihr Spiel mit ein, befragen es, nehmen Vorschläge an, versichern sich, holen Bestätigungen ihrer Haltungen vom Publikum: Regisseurin Grete Pagan hat mit der Gruppe genaue Handlungsabläufe und Textbausteine festgelegt, aber innerhalb dieses Rahmens können Texte improvisiert werden, um sich auf die Vorschläge der Zuschauerinnen und Zuschauer einzulassen. Aus diesem Austausch entwickelt sich ein quicklebendiges Spiel, das sein Publikum ernst nimmt und großen Spaß macht – obschon das zugrundeliegende Konzept der bildhaften Darstellung von Gefühlen als Lüftungssystem allzu mechanistisch wirkt.
