Die Geschichte spielt an einem touristischen Sehnsuchtsort, Sankt Wolfgang im Salzkammergut. Die meisten Urlauber kommen aus Berlin, der immer grantige Geschäftsmann Giesecke und der elegante Rechtsanwalt Siedler. Eine auffallende Erscheinung ist der Fabrikantensohn Sigismund (Pascal Thomas), dem der bekannteste Hit gewidmet ist („Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist“). Ihm gefallen auch Männer, aber er landet schließlich doch im Hafen der Ehe. Bei den Einheimischen dominieren die Rößl-Wirtin Josepha (Judith Peres) und ihr Zahlkellner Leopold (Tomi Wendt), die lange brauchen, bis sie nach Missverständnissen und Streit endlich erkennen und bekennen, dass sie einander lieben. Das dritte Paar, das sich zum glücklichen Finale findet, ist die Tochter von Gieseke, die den Rechtsanwalt Siedler nimmt, einen Prozessgegner ihres Vaters, der deshalb zunächst gar nicht entzückt ist. Die Frauen sind emanzipiert oder sie werden es, der wohl bisexuelle Sigismund wird ein wenig karikiert, er nimmt sich selber auf die Schippe, aber nicht diffamniert. Solche Handlungselemente führten wohl dazu, dass die Operette, jedenfalls in dieser Form, im „Dritten Reich“ nicht gespielt wurde. Zudem waren mehrere der Autoren und Komponisten Juden.
Diese drei Liebesgeschichten allein sind nicht abendfüllend, sie sind letztlich vorhersehbar. Es ist die Machart, die das Publikum begeistert. Die Aufführung ist ein einziger Wirbel, alles ist in Bewegung, es wird getanzt, alles dreht sich, auch das Bühnenbild (Heiko Mönnich) mit einem an kubistische Architektur erinnernden Hotel „Zum Weißen Rößl“. Es gibt Sprachwitze, auch Kalauer, und schöne surreale Gags, wenn bei einem Duett im Stall Kuhfladen vom Himmel fallen. Wenn doch einmal Sentimentalität droht, beim Auftritt des alten österreichischen Kaisers Franz Joseph, ist die rettende Ironie nicht fern. Und immer wieder Slapstick: beim Besteigen eines Berges, der nur aus einer großen Leiter besteht, oder beim Liebesgeturtel zwischen Sigismund und seiner schüchterne Zukünftigen im Familienbad, vor und in einer Umkleidekabine, die schließlich in der Erde verschwindet. So könnte man fortfahren, aber viele Szenen sind so raffiniert gebaut, dass sie durch eine umständliche Beschreibungnur ihren Witz verlören.
