Dieser durchaus knackige Kern wird nun in ein letztlich arg verwirrendes Anekdoten-Gespinst verpackt. Der Autor wollte die hoch bedeutsame Vielschichtigkeit, und er wollte „den deutschen Helden“ Fritz vom Denkmalssockel schubsen. Verlor sich dabei aber in einem Gewirr aus Ehedrama (Catt und Gattin Ulrike/ Raphael Rubini, Patrizia Carlucci als leider fades Paar), aus surrealer Tragödie (Fritzens viel gesichtige Seelenlage), Sex-Klamotte (mit einer Flöte als Dildo) und Intrigen-Kabarett (das kreischende Mätressentrio Melanie Straub, Marianna Linden, Charlotte Sieglin). Aus History-Show (mit Fritz-Vater Wilhelm I. als preußischer Adler im roten Latex-Kostüm), aus Polit-Farce (Gröfaz) und Clownerie in Naziklamotten. Bisschen viel auf einmal. Und obendrein offene Türen einrennend: Denn die Entdämonisierung Friedrichs ist schließlich längst Allgemeingut.
Also schon mal kein Denkmalssturz. Doch immerhin in der Flut der Szenchen und Bildchen sonderlich im zweiten Teil einige starke Momente, die vornehmlich aufs Konto von Rita Feldmeier gehen: Im Abendkleid gibt sie den großen Friedrich als schwarze, sarkastisch zynische Domina. Ein so glamouröser wie geistesstarker Eis- und Höllenengel. Eine moderne Figur, aasig auf- und abgeklärt. Der Glanz- und Fixpunkt dieser Friedrich-Beschau, deren chaotisch Zerfranstes von der notorisch auf Haudruff erpichten Regie leider nicht beschnitten wird.
„Ich muss zurück in meine Gruft“, legt Uwe Wilhelm, Mitte fünfzig und Drehbuchautor zahlreicher Fernsehfilm-Erfolge, seinem Fritz in den Mund. Und verblüffender weise noch diesen Schluss-Satz: „Was immer man von mir erzählt, es sind die Lügen derer, die sie singen und derer, die sie hören!“ Das letzte Wort des Dichters über sein Werk – sympathisch selbstironisch. Und selbstvernichtend. Die Regie hat das kaum beeindruckt.
