Szene aus "Hey, hey, hey, Taxi!"
Schauspiel,

Fabulöser Traumzauberraum

Saša Stanišić: Hey, hey, hey, Taxi!

Theater:Theater Junge Generation, Premiere:12.11.2022Vorlage:nach dem gleichnamigen KinderbuchRegie:Nils ZapfeMusikalische Leitung:Christoph Hamann

„Argh“, „Ih“, „Igitt“: Als Spiderman den Heiltrank aus Matsch, Spinnennetz, Krötenschleim und Spucke runterwürgt, gibt’s beim jungen Publikum kein Halten mehr. Die Kinder schreien den Schauspielenden ihr Entsetzen entgegen, schütteln sich – um gleich darauf in einer anderen Geschichte verfangen zu sein. Um dann einem Kraken zu widerstehen, der arglosen Tauchern Feuerquallen auf die Schultern setzt, um mit der Graumaus über unverständliche Witze zu lachen und im Süßwarenladen die Zeche zu prellen. Das ist turbulent und das Tollste: All die Geschichten entstehen mit ihrer Hilfe.

Man muss nur »Hey, hey, hey, Taxi« rufen, schon transportiert das Taxi den ganzen Saal an einen anderen Ort in ein neues Abenteuer. Der Zauberspruch ist auch der Titel von Saša Stanišićs Kinderbuch, das Regisseur Nils Zapfe in Dresden für die Bühne adaptierte. Hier wie dort ist das Ruffahrzeug ein fabulöses Gebilde, das zu allem imstande ist und aus der Imaginationskraft der Kinder schöpft.

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Fellig und weich hat Ramona Rauchbach die Bühnenlandschaft gestaltet, Spielfläche und Tribüne sind von einer wolkig-weißen Wand eingefasst, in die florale und andere ornamentale Muster geschnitten sind. Bis auf ein paar Instrumente – Klavier, Schlagzeug, Minipiano – und eine Plüschbank ist die Fläche leer. Aber mehr benötigen die vier Spielenden (Paul Lonnemann, Gina Markowitsch, Tony Milano, Mirko Näger-Guckeisen) auch nicht, um in diesem Traumzauberraum Fantastisches entstehen zu lassen.

Auf Kinder vertrauen

Im behutsamen Spiel lässt das Quartett immer wieder die Kinder zu Wort kommen. Mal wird nach dem Lieblingsessen gefragt, nach grünen Dingen und Haustieren. Dann werden x-beliebige Superhelden aufeinander losgelassen. Als das Publikum via Abstimmung meint, Dinge zu zerstören, ziemt sich nicht nur, sondern macht auch Spaß, fügen sich die Akteure. Sie lassen sich ganz auf das Publikum ab sechs Jahren ein und versuchen nicht, die Improvisationsparts krampfhaft auf ein gewolltes Ergebnis hinzulenken.

Fast ohne Requisiten kommen sie dabei aus: Einmal wird ein pelziger Schlauch als eine Art wurmförmige Handpuppe verwendet. Mal dient ein Schlagzeugbecken als Zauberkessel. Neben dem humorvollen, mit Sprachspielen gespickten Erzählen, setzt die Inszenierung insbesondere auf die Akustik. Natürlich dienen die Musikinstrumente als Tonangeber, simulieren zum Beispiel einmal das Piepen einer Registrierkasse. Auch die Darstellenden machen allerhand Geräusche. Im schönsten Moment gelingt ihnen die Hintergrundkulisse aus Meeresrauschen, Möwenkrähen und Kindergeplapper, die am Ostseestrand zu hören ist.

Im Nu geht das zuckersüße Improstündchen vorüber. Es wird viel gelacht, manchmal debattiert, wenn beispielweise eine Schauspielerin die Vogelstimme nicht ganz nach den Vorstellungen des bestimmenden Kindes gestaltet oder einem Kind ein Tauchgang ohne Sauerstoffgerät unlogisch vorkommt. Aber die meiste Zeit über herrscht Freude – beim Publikum, aber auch beim Darstellenden-Quartett, das sichtlich Vergnügen daran hat, die Vorstellungen der Kleinen umzusetzen.