Gegen diese reduzierte, statische Versuchsanordnung setzt der Regisseur einige in die Kirchen-Apsis projizierte Videos vom Medienprojekt Wuppertal (eine Art Jugend-Videoproduktionspool), die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Stoff befassen, aber kaum erkennbar mit dem Bühnengeschehen korrespondieren. Vieles deutet darauf hin, dass Johannes Blum mit intellektueller, auf Distanz bedachter Überformung zu verhindern sucht, dass aus dem Läuterungs- ein Überwältigungsdrama, aus der überraschend sinnlichen Heiligenlegende ein kitschiges Geschichtchen wird. Dabei opfert er – leider – sehenden Auges viel theatrale Vitalität.
Tatsächlich geizt Respighis Musik nicht mit sinnlichen Reizen, kultiviert den seidigen Oberflächenglanz wie die plötzliche Zuspitzung und die süffig-rauschhafte, vielfarbige Klangballung. Florian Frannek, dem Sinfonie-Orchester Wuppertal und dem klangmächtigen Opernchor gelingt es nach etwas unscharfem Beginn, die komplexen Klänge zu konturieren, die Strukturen dieser Musik zu befolgen und zu beherrschen und ihre Stringenz wie ihre Gefährdungen zu vermitteln. Dabei ist ihnen die eigentümlich wabernde, trockene Akustik der Immanuelskirche sowohl Hindernis als auch Hilfsmittel.
