Haidles Text ist extrem anspielungsreich, sein Sarkasmus trifft die Familie genauso wie idealistische Erziehungsmaximen, die Vergötzung von Kindern oder amerikanische Bekehrungsgeschichten. Die leichtfüßigen, pointensatten Dialoge, wie auch das real-absurde Setting lässt mehr an Edward Albee denn an Beckett denken – und zwar den Albee sowohl der „Zoogeschichte“ wie auch von „Wer hat Angst…“. Es sind Naomi und East und ihre ständigen Streits übers Saufen, über Tablettensucht, Lieblosigkeit, Kinderwunsch, die dann doch so etwas wie Struktur schaffen. Das leere Ritual des Alltags als Sedativ angesichts der Sinnlosigkeit. Oder doch als Sinn? Krupas Uraufführungs-Inszenierung in der Essener Casa tunt das Stück formalistisch ins Groteske hoch, lässt elektronische Sound einspielen und nimmt dabei auch brutalen Stellen wie der Vergewaltigung ihre Drastik. Das funktioniert trotzdem erstaunlich gut, auch wenn man sich das bedrängender vorstellen kann. Am Ende, wenn Christopher schließlich an Alterschwäche stirbt, fährt die Decke fast vollends herunter: Der Raum der Möglichkeiten ist ausgeschöpft – glücklicher sind wir immer noch nicht.
