Auf der von Britta Lammers gestalteten Bühne lässt Regisseur Philipp Jeschek ein sehr buntes und sehr überdrehtes Ensemble auftreten, viele szenische Pointen sitzen und es macht schon Spaß, dem fast durchgehend obergärigen Spiel zuzusehen. Doch der Abend dauert zwei Stunden und ist mindestens ein Drittel zu lang. Auch Gerhard Stäblers Partitur fängt im Schlussteil an zu schwächeln. Was zuvor wirklich brillante Theatermusik war, ermüdet zunehmend. Das liegt sicher nicht an Michael Weigers exzellentem Dirigat oder den guten Gesangsleistungen – allen voran Girard Rhoden als Harvey – sondern an der Überfülle und Redundanz von Ideen. Stäbler schreibt den Solisten sehr differenzierte Dinge in die Kehlen, man hört Zischen und Flüstern, etwas altbackenen Ausdrucksgesang der 1980er Jahre sowie komplexe Intervallsprünge, die ans asiatische Theater erinnern. Das Tempo ist meist schnell, die Dynamik grell. Im Orchester finden sich Preziosen wie ein Spielzeugklavier oder Rasseln, es gibt großartige Schlagzeugeinsätze, viel Ausgeflipptes. Originell ist das zweifellos, jedoch alles wiederum zu lang und letztlich zu schrill.
Dass auf keiner Ebene Raum zur Reflexion bleibt, ist sehr schade, so wird man dem gebürtigen Ulmer Einstein in Ulm nur begrenzt gerecht. Anders formuliert: es war ein relativ netter Abend mit relativ schönen Ideen, der vom Publikum relativ freundlichen Applaus bekam.
