Dieser trägt die Inszenierung in einer verschwenderischen Flut von Mensch und Bild Rechnung: neben den etwa 60 Statisten kommen Video-Installationen, Live-Musiker, Live-Projektionen und Pyrotechnik zum Einsatz. Dass dieses anarchische Spektakel nicht zum Jahrmarkt abgleitet, ist klug gesetzten Zäsuren und Szenenwechseln zu verdanken. Die Regie bewahrte sich bei diesem Sommertheater dankbarerweise einen Anspruch über den nach einem bereits jetzt mehrfach geglückten Ausverkauf der Ränge hinaus. Trotz Schwerpunktsetzungen und Kürzungen wurde Bulgakows Inhalten in weiten Teilen Rechnung getragen. Vielleicht stellenweise und angesichts des Tempos zu dicht gepackt, sodass ohne eine zumindest grobe Kenntnis der Romanhandlung das Gesamtverständnis beim Publikum manchmal auf der Strecke bleibt. Doch auch ohne dieses wird der Zuschauer mit großen Theatermomenten belohnt. Als Margarita schmerzerfüllt im Scheinwerferspot zu singen beginnt. Klaviermusik und zitternde Stimme erklingen. Da kommt ein Mann mit Plastikbeutel und Hundemütze durch die Bühnentür und führt den schönen Pathos ad Absurdum. Bulgakow hätte seine helle Freude daran gehabt.
