An einer vordergründigen Aktualisierung des Revolutionsdramas ist Ulrich Rasche nicht interessiert. Kein versteckter Hinweis auf den Arabischen Frühling, der gerade dantonesk und blutig untergeht, oder auf die Ukraine. Der Regisseur nimmt Büchners Text, seinen Nihilismus und die Erkenntnis, dass die Revolution immerfort ihre Kinder frisst, sehr ernst. Oft rhythmisiert er den Text durch Wiederholungsschleifen oder Vokabel-Stakkati. Und noch häufiger lässt der Spezialist für strenge, chorische Inszenierungen die Gedanken von Schauspielergruppen skandieren. Zusammen mit dem düster-dräuenden Sound zweier Celli, eines Basses und einer E-Gitarre sowie den elegisch-monotonen Gesangswogen dreier Sänger entsteht so ein machtvolles, aber zutiefst pessimistisches Requiem der Revolution, komponiert von Ari Benjamin Meyers.
Torben Kessler zeigt in der Titelpartie, dass in seinem Danton nicht nur ein gemäßigter Revolutionär steckt, sondern auch ein blitzgescheiter Volkstribun. Ganz anders Nico Holonics. Er spricht die Worte Robespierres so geschliffen scharf wie eine Guillotinen. Der Schauspieler, der unlängst auch als Alleindarsteller in der Dramatisierung der „Blechtrommel“ brillierte, zeigt, dass in dem politischen Dämon auch ein Shakespearescher Richard oder ein stalinistischer Despot steckt. Gefeit sind vor solchen charakterlichen Abgründen aber auch Danton und all die anderen nicht. Das beweist das geschickt in den Dramentext montierte Max-Stirner-Zitat „Mir geht nichts über mich“. Monstren sind sie letztlich alle – so monströs wie die drei rotierenden Walzen auf der Bühne.
