Ein gemischter Chor mit Sonnen-Gasmasken-Brillen stellt sich an der Rampe auf, strampelndes Lachen wechselt mit Thesen und Parolen, die auch so verhandelt werden. Mal marschieren sechs Figuren im Takt, eine siebte läuft ihnen entgegen. Dann wieder knallen die Schritte wie Stiefeltritte auf die Bühne, als kommentierten sie Brechts bittere Kriegsklage. Die 19 Akteure der Bürgerbühne „Roter Faden“ exerzieren das präzise, das chorische Sprechen gelingt gut.
Doch irgendwann im Verlauf der 90minütigen Aufführung nutzt sich dieses Mittel auch ab, müssen sich die Spieler allzu oft in Richtung Publikum an der Rampe orientieren, wo sie sitzen oder stehen und ihre Botschaften verkünden und um Zustimmung heischen. Einige Wechsel der Kostüme – die an Haken aus dem Schnürboden hängen –, Bierdosen, die mal als solche, mal als knackend-knirschender Essensersatz genutzt werden, lockern das strenge Marschier-Reglement etwas auf.
Und ein Einzelner wird gegen Fatzer A bis G langsam, aber stetig stärker: Büsching, ein Anzug-Typ, der die Gegner des/der Egoisten um sich sammelt. Und wenn in dieser Phase der Inszenierung die Figuren individueller werden, aus der mal bezwingenden, mal einschüchternden Masse heraustreten, wird es für die Bürgerbühnen-Spieler schon schwieriger, die Charaktere zu gestalten.
Am Ende sind sich auch die Egoisten nicht mehr einig. Drei Fatzer sind noch übrig, einer wechselt in den Chor, die letzten beiden können sich gegen den nun überlegenen Büsching nicht zwischen Gehen oder Bleiben, Widerstand oder Unterwerfung entscheiden. Und so landen sie, wo sie begannen: Im Kugelhagel des Krieges.
