Die Präsentation ist puristisch. Im Foyer vermittelt eine 18-Monats-Timeline sachlich die Fakten. Die noch im Spielzeitheft angekündigten Video-Projektionen fehlen ersatzlos. Vor die schwarze Wand des Studios hat Julia Kurzweg vier mit Neonleuchten bestückte Rahmen gestellt, Abstraktionen der barocken Kulissenbühne, die theatralische Form behaupten, was durch die Performance von Thomas Halle geradezu glückhaft eingelöst wird. Halle beginnt von einem Garderobenspiegel am Rand aus und gleitet, über die erwähnte Frage, behutsam in die Biographie Edward Snowdens und in die Beschreibung und Bewertung der allgemeinen Bedrohung. Auf diesen beiden Ebenen laufen die 85 Minuten ab. Wie kam es zu Snowdens Erweckung oder Sündenfall, was passiert eigentlich da um uns und mit uns und wie müssen, sollen, können wir uns verhalten?
Halle erzählt verwundert von seinem Gespräch mit Snowden-Gesprächspartner Ströbele, ohne dessen Glauben an die Heilkraft parlamentarischer Demokratie zu teilen. Er versucht, den Glanz und die Problematik von e-mail-Verschlüsselung zu erklären, in dem er eine Ritterrüstung anlegt, Rüstungsteile ans Publikum verteilt und dann einzelne Zuschauer umarmt: „Ich spüre nichts.“
Der Schauspieler wird zum Gorilla mit Laptop – was für ein Bild des heutigen Menschen! – zu Don Quixote, zu Edward als Cowboy-Kind. Und der Schauspieler ist immer wieder auch einfach Thomas Halle, der Fotoalben ans Publikum ausgibt, die Edward Snowdens Leben genauso hintersinnig kommentieren wie die Entwicklung der Computer-Technologie. Und er ist Snowdens Freundin, die Poledancerin und Bloggerin, die nichts versteht und nichts verstehen will.
Die Bilder sind stark und nicht willkürlich. Die Leichtigkeit, mit der sie so unprätentiös serviert werden, mit den Raum durchquerenden Bühnenarbeitern und einer bei Bedarf wie selbstverständlich mitspielenden Souffleuse, erfreut und macht nachdenklich. Man muss sich doch eine Haltung zulegen, denkt man sich. Bingo!
