Am Ende kommt es zum großen Showdown: Am Aschermittwoch findet die Demonstration statt. Polizeieinheiten warten vermummt auf ihren Einsatz. Der Unternehmer hat einen Fachmann engagiert, der Anti-Strategien entwickelt. Sein Rat an den Chef: Er solle sein eigenes Auto anzünden – was dieser auch tut und damit die Altstadt von Überlingen (bei Küspert: Unterlingen) abbrennt. Während Leinwand-Bilder und dichter Qualm das Feuer suggerieren, inszeniert Nicola Bremer dazu einen Todesreigen, in dem die Darsteller in immer neuen Kostümen auftreten. Ralf Beckord spielt diesen Unternehmer hier wunderbar aasig und führt beeindruckend die Rhetorik von Menschen vor, die keine Scham zeigen, Waffen herzustellen.
Aber Küspert entfaltet in „Am Wasser“ nicht nur die Ebene des Konflikts der alten Generation (Gerti und Unternehmer) und der jungen Generation (Saliha und Jan), sondern bezieht auch die (lokal)politische und wissenschaftliche Ebene mit ein. Die Regie von Nicola Bremer verstärkt die schon im Text vorherrschende Tendenz, diese beiden Ebenen zu kabarettistischen Glanznummern zu machen. Friederike Drews als Oberbürgermeisterin und Thomas Ecke als Laborant ragen dabei heraus. Für die Bloggerin-Ebene entscheidet sich Bremer für Videos wie auch für die Einspielungen des Regio TV. Ansonsten setzt er auf ein schnelles Spieltempo, wozu ihm Steffi Rehberg, auch verantwortlich für die Kostüme, ein einfaches Bühnenbild gebaut hat. Ein weißer Boden, eine graue Wand, die die Bühne nach hinten abschließt, darüber die Screenwand. Alle Mobiliarteile, die die verschiedenen Orte kennzeichnen, können vom Ensemble herein- und herausgerollt werden. So greifen die Umbauten dynamisch ineinander. Björklund Jönsson hat dazu eine Musik komponiert, die das Geschehen unauffällig begleitet.
Entstanden ist eine Inszenierung, die die Verdrängungsprozesse in unserer Gesellschaft nachdrücklich und schmerzhaft offenlegt. Küspert ist ein spannendes Stück gelungen, das, wenn es auch auf die Region des Bodensees fokussiert ist, über das Regionale hinaus für alle wichtig wird. Denn es stellt die bedrängende Frage: Wie kann es einen Frieden ohne Waffen geben?
