Musikerin Bettina Ostermeier (an der Spitze eines flotten Quintetts dirigiert sie anfangs mit der Zigarette in der Hand, aber solche Lässigkeit hat die verkrampfte Aufführung eben nicht) fädelt mit eigenen Arrangements unter anderem Blixa Bargeld, David Bowie und Jacques Brel ein, um die Geschichte vom Opern-Pathos abzulenken. Dazwischen werden Ottenis Inter-Aktionen immer neckischer. Für die Kostümfest-Finanzierung der Folge-Szene lässt er die Schauspieler mit Klingelbeutel zur Kollekte ins Parkett ausschwärmen, als Lokalkolorit bringt er örtliche Adressen ins Spiel wie der Franken-„Tatort“. Und wenn der (selbstverständlich blöde) Kunstagent dem Maler im Atelier einen Müllhaufen als Installation abkauft, sind wir in aller Plumpheit dort gelandet, wo Ephraim Kishon im letzten Jahrhundert pseudosatirisch mit „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht“ polterte. Am Ende tappen dann ja doch alle in die „Unglück ist ja so romantisch“-Falle – dem Schicksal und dem Kitsch ergeben.
Womöglich ist dieses kuriose Stück, das die Ernsthaftigkeit von Kaurismäkis Film von 1992 sowieso nicht beachtete, von Stefan Otteni um ein paar weitere, uneinsehbare Ecken gedacht. Denn man sieht dauernd Sing-Schauspieler, die sich selbst dabei beobachten, wie sie etwas beobachten. Was das genau ist, der eigene Nabel etwa oder der Sinn des Bühnenlebens, scheint dem Regisseur während der Proben entfallen zu sein – da wollte er nur noch spielen, am liebsten unendlich. „Man muss sich doch verschwenden, in der Liebe und der Kunst“, sagt die Philosophin zur Wegzehrung. Da ist der Abend schon gut drei Stunden alt und die Singgemeinschaft tröstet harmonisch mit „Es bleibt uns der Wind“. Diesmal war es allenfalls die Windmaschine.
