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Musiktheater,

Der geliehene Opa

Alexander Stessin: Kannst du pfeifen, Johanna?

Theater:Theater Nordhausen, Premiere:23.03.2013 (UA)Autor(in) der Vorlage:Ulf StarkRegie:Bianca Sue HenneMusikalische Leitung:Sergi Roca

Ulf hat einen Opa, Berra nicht. Weil man aber mit Großvätern Abenteuer erleben und von ihnen zum Geburtstag fünf Kronen bekommen kann, adoptieren die beiden Nils aus dem Altersheim als Opa für Berra. Das ist im Kern die Handlung des Kinderbuchs „Kannst du pfeifen, Johanna?“ des Schweden Ulf Stark, das jetzt im Theater Nordhausen als Kinderoper herauskam. Das titelgebende Lied stammt von Max Hansen aus den 1920er Jahren, die „Comedian Harmonists“ machten es bekannt. An dieser Zeit hat sich Komponist Alexander Stessin wohl ein bißchen orientiert. In Moskau geboren, in Leipzig lebend, war er für einige Zeit 1. Kapellmeister am Theater Nordhausen. Für die Geschichte vom geliehenen Opa setzt er kecke, freche, flinke Bläser ein, von Geige und Cello sanft begleitet; zum Umbau brummelt die Tuba, dann wieder klingt es weich und dunkel. Mal dominiert die Musik, mal setzt sie nur leicht Tupfer und Akzente, sie wechselt zwischen 20er Jahre-Charme und Volksliedton – munter gespielt von sechs Musikern des Loh Orchesters Sondershausen unter Sergi Roca. Die Partie des Nils (Thomas Kohl) ist melancholisch-dunkel gefärbt, der Gesang der Jungen Ulf (Anika Ram) und Berra (Franziska Roth) ist manchmal sehr erwachsen, beinah opernhaft-dramatisch, was den Rahmen der kleinen Bühne des „Theaters unterm Dach“ fast sprengt.

Hier hat Wolfgang Kurima Rauschning (Ausstattung) bunte Tücher ausgelegt und aufgespannt, aus Kisten und einem Brett wird das Altenheim-Bett, dann ein Kaffeetisch, auch mal eine Wippe. Eine Leiter wird zum Kirschbaum, die geklauten Früchte gibt’s aus einem Eimerchen. In dieser Szenerie hat Bianca Sue Henne, Leiterin des Jungen Theaters am Theater Nordhausen, ihr Libretto selbst inszeniert. Zu Beginn ziehen die Darsteller ihre Kostüme an, Nils wird noch geschminkt; die Akteure bauen auch um, holen Requisiten herbei: es wird also gezeigt, wie Theater gemacht wird, aber es entsteht kein Zauber daraus. Brav werden die Szenen aneinander gereiht: Geht Opa Nils mit den Jungs ins Freie, lässt ein gelbes Tuch die Sonne strahlen. Mit dem Halstuch von Johanna, Nils‘ verstorbener Frau, wird ein Drachen gebastelt, den man bemüht aufsteigen und abstürzen lässt. Und Berra übt mit aufgeblasenen Backen das Pfeifen. Meist ist die Musik munterer als das Spiel auf der Bühne. Und wenn nach 60 Minuten Berra seinen „geliehenen“ Opa wieder verloren hat, so hat er doch pfeifen gelernt.

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