Kroesinger bleibt diesmal nah an der Vorlage. „Die Pest“ ist keins seiner Rechercheprojekte, in denen sich die Schauspieler in aktuelle Themen wühlen und dem Publikum ihre Ergebnisse präsentieren. Man könnte sogar die Frage stellen, ob es sich bei dieser Aufführung noch um Dokumentartheater handelt, wofür der Regisseur ja sonst steht. Denn die Übertragung auf die Gegenwart bleibt den Zuschauern überlassen. Ist die Tötung Osama bin Ladens nach Camus´ Theorie, dass gehandelt werden soll, richtig? Und wie lassen sich Strukturen der Solidarität schaffen, wenn ein Kernkraftwerk explodiert? Am Ende des Abends beobachtet der Erzähler einen Hund, endlich kommt mal wieder ein Hund in die verseuchte Stadt. Doch das Tier wird erschossen. Dann stehen die Schauspieler vor einem Rahmen und schauen auf ein Video als sei es das Fenster zur Welt. Nein, dem Tüchtigen winkt kein schneller Lohn. Doch für den Faulen bleibt nur der Sarg, auch wenn die letzte Ruhestätte noch ganz hell und unschuldig aussieht.
