Brian Davis verleiht dem Erfolgspfarrer mit seiner geschmeidigen und doch entschiedenen Stimme ebenso bedeutendes Format wie dem standhaft Leidenden. Auch Khatuna Mikaberidze bleibt der Partie der Gegenspielerin Jeanne nichts schuldig: weder der Darstellung und dem Aussingen der unerfüllten Geilheit noch der geheuchelten Naivität, die sie an den Tag legt, als der aufgeklärte Prinz Henri öffentlich demonstriert, dass sich die von ihr vorgespielte Befreiung von den bösen Dämonen einem Placebo-Effekt verdankt.
Der Regisseur schont die Nerven der Hannoveraner nicht – die nach der Uraufführung besonders umstrittene Klistier-Szene, bei denen das Böse aus den Nonnen auf bewährte medizinische Weise expediert wird, zeigt Kovalik als zwangsweise und höchst gewaltförmig vorgenommene Vaginalspülungen. Insgesamt ruft diese Inszenierung beiläufig in Erinnerung, dass noch kein halbes Jahrhundert vergangenen ist, seit die Katholische Kirche Aufführungen der „Teufel von Loudun“ verhindern und die nicht ernsthaft zu bestreitenden Wahrheiten des Textes unterdrückt wissen wollte. Stefan Klingele sorgt dafür, dass die einst provozierend plakative Musik aufs Neue im besten Theatersinn funktioniert.
