Da ist etwa Eduard, der den Narzissmus zur westlichen Staatsform erklärt, der er selbst am konsequentesten folgt. Der es romantisch verklärt, Charlotte auf seiner eigenen, ersten Hochzeit kennengelernt und sofort geküsst zu haben. Hoch symbolisch dann auch die beiden Zinksärge, die im Haus und tatsächlich auch auf der Bühne stehen. Eduard sollte sie damals für zwei Kinderleichen zu Michael nach Afghanistan schicken, das ging schief – jetzt stehen sie hier als sichtbares Zeichen der Schuld.
All das ist viel zu dick aufgetragen. Trotzdem: Ulrich Matthes und Anja Schneider sind zwei sehr gute Argumente für diesen Abend. Regisseur Stephan Kimmig hält sich zurück und lässt seine Schauspieler ihre Figuren erkunden, wie das bei einer Uraufführung eigentlich immer der Fall sein sollte. Wie Matthes herumtänzelt, seine bedeutungsschwangeren Sätze ganz nebenbei spricht, manchmal ironisch, immer verletzlich, wissend, trauernd – das lässt aus dieser Symbolfigur dann doch einen Menschen aus Fleisch und Blut werden. Und Anja Schneider legt so viel Lebenshunger, so viel Trotz und Verzweiflung in ihren Blick, dass man sie wortlos versteht.
Anders bei Linn Reusse als Lilly und Paul Grill als Michael, ihre Worte klingen oft pathetisch, affektiert, aufgesetzt. Zu viel politische Botschaft, zu viel Weltanschauung will Rinke in seine Figuren pressen – und zusätzlich die „Wahlverwandtschaften“ neu erzählen. Das wirkt oft konstruiert, auf drei Stunden Länge (bei aller Pointen) auch mal zäh und erzeugt zu wenige wirklich berührende Momente auf der Bühne.
