Oft lässt Iwan Wyrapajew Sätze wiederholen wie ein Mantra. Die Sprache hat eine ganz eigene musikalische Poesie. Regisseur Viktor Ryschakow, der schon viele Uraufführungen seines Freundes Wyrypajew inszeniert hat, trifft diesen Ton mit dem großartigen Düsseldorfer Ensemble genau. Bei allen trunkenen Höhenflügen, behalten die Schauspieler Bodenhaftung und Glaubwürdigkeit. Die Bühne (Maria Tregubova und Alexej Tregubov) besteht zunächst aus einer riesigen Schräge, auf die ein schwarzweißes Gitter projiziert wird. Weiße Möbel schweben von der Decke herab. Im zweiten Teil ist die Spielfläche leer, nun müssen die Menschen die Nähe des Nichts aushalten. Die Musik des Abends (Alexander Monotskov) ist ein Scharren, Schaben, Kreischen und Rasseln. Zu Beginn sitzen die Schauspieler wie ein Geräuschorchester an den Seiten der Bühne und stimmen darauf ein, dass hier etwas Ungewöhnliches geschehen wird. „Betrunkene“ ist eine Komödie am Rande des Abgrunds, ein faszinierender Theaterabend. Und ein starkes künstlerisches Lebenszeichen des Düsseldorfer Schauspiels.
