Vom Plan, Tankred Dorsts politisch pointiertes Fragment „Parzival“ als Grundlage zu nehmen, kam das Regieteam ab. Den Text, der aus Fabians Feder stammt, übersetzen die Schauspieler in sparsame Bewegungsmuster. Vorsichtige, zärtliche Gesten genügen Franziska Geyer als Gralsbotin Cundry, um Parsifal mit der Sprache der Liebe vertraut zu machen. In ein opulentes Leinengewand gehüllt und mit blutigem Kopfverband, transformiert die Schauspielerin Fabians manchmal überbordendes Textmaterial in stimmige Körperbilder.
Das klappt in der Welt der Krieger nicht immer. Axel Julius Fündeling als Ritter Ither, der Parsifal zum Lebenskampf herausfordert, gelingen zwar starke Momente, doch fehlt in seinem Wortschatz der Kämpfe Substanz. Thomas Ecke als souveräner König Artus ist ein weiser Lehrer, doch verkommt seine tätowierte Tafelrunde zur Rockergang. Sehr plakativ auch die Kommentare der Regie aus dem Off. Da bleibt jener Tiefgang auf der Strecke, den Fabian sonst so wunderbar erzeugen kann. Die Lust, mit der sich die Schauspieler auf seine choreographische Reise ins Reich der Mythen einlassen, macht die Regiearbeit zum Erlebnis. Lars Neugebauers Musik spiegelt die Kraft der Gefühle.
Alissa Snagowski, Young-Shin Kim und Eléna Weiss setzen als bleigraue, gekrümmte Furien starke Akzente. Fabians bildbewohntes Körpertheater fordert die Akteure zu Grenzgängen heraus, die jeder auf seine Art bemerkenswert meistert. Herzstück seiner Bühnenlandschaften sind Videosequenzen. Parsifals Reise durch eine Gesellschaft, die er mit bohrenden Zweifeln in Bewegung bringt, führt durch Wälder und Sonnenblumenfelder zurück aufs Wesentliche: Die Konzentration der Schauspieler auf Fragen der nackten Existenz.
