Als vokale Herausforderung und mit seiner Wagnerüberlänge ist „Alessandro“ wohl nicht repertoiretauglich. Aber festspielkompatibel ist er schon, auch wenn er bislang weder in Halle noch in Göttingen szenisch zu erleben war. Zumal Karlsruhe auch diesmal wieder musikalisch glänzt. Angefangen bei Michael Form und den exzellenten Deutschen Händel-Solisten, die sinnlich federnd, mit zwei Continuo-Gruppen und vielen Gelegenheiten für Soli–Begleitungen der Sänger aufwarten. Und dass der US-amerikanische Counterstar Lawrence Zazzo als Alessandro sich nicht so recht zwischen der Rossane von Yetzabel Arias Fernandez und der Lisaura von Raffaella Milanesis entscheiden konnte, war für die dankbar applaudierenden Zuschauer nur zu gut nachvollziehbar. Damit hat das kleinste und jüngste der deutschen Händelfestspiele die Latte für die beiden älteren, routinierteren Schwesterunternehmen ziemlich hoch gelegt. Gut für Karlsruhe. Und hoffentlich ein Ansporn für Göttingen und Halle.
