Feli will zusammen mit Lil in deren Heimat ans Schwarze Meer, das ganz anheimelnd blau sei, wie es immer wieder leitmotivisch (und ebenso blauäugig) heißt. Die hektischen Dialoge plätschern um die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten dieser Liebe, gegen die das Gefühl der Isolation in der fremden Kultur anbrandet. Als Soundteppich gibt’s dazu ein Potpourri quer durch die neueren Charts. All dies vollzieht sich in einem Einheitsbühnenbild, das aussieht wie ein mit Plastikplanen bedecktes Schwimmbecken. In ihm findet sich ein Metallstreben-Käfig mit Plexiglas-Scheiben als Becken im Becken, aber auch als Gefühls-Gefängnis mit Video-Projektions-Rückwand. Darüber flimmern Livebilder zur Verdoppelung der Perspektive sowie ästhetische Unterwasser-Aufnahmen der beiden Schauspielerinnen, die sich als Bikini-Najaden im Tauchgang umgarnen und küssen. Der Video-Künstler Steffen Kraska hat diese Bilder aufgenommen, und ihretwegen müsste man das Stück eigentlich in „Tauchen lernen“ umbenennen.
Der Text vermag es nicht, ein tieferes Interesse für die Konflikte der Figuren zu wecken. Von hoher Intensität aber ist das Spiel des Trios. Vor allem Karen Dahmen und Karolina Horster haben eine gehörige Portion Adrenalin im Blut: Sie giften und sie schmachten, sie grimassieren und chargieren, dass sich dennoch ein vielfarbiges emotionales Kaleidoskop auftut. Beiden Darstellerinnen ist es zu verdanken, dass die Pappe des Textes mit einer hauchdünnen Platinschicht überzogen wird. Benedikt Crisand kann als Dritter im Bunde nur gebremst aus sich herausgehen, da ihm die am oberflächlichsten gezeichnete Figur zugewiesen wurde. Pep hat leider gar keinen Pep. Um das Ganze zu verstehen, muss man eigentlich nur eine wenige Sekunden kurze Szene sehen. In ihr werden zwei herzförmige Luftballons aufgeblasen – und in die Freiheit entlassen. Kaum ist es so weit, erfüllt ein Geräusch den Raum, das wie Blähungen klingt. Dann sinken die erschlafften Symbole trist zu Boden. Und das Bisschen an heißer Luft verzieht sich nach oben zu den Bühnenscheinwerfern.
