Virtuos minimalistisch gelang Kaurismäki die erste Szene des Films: Ein Mann packt seine wenigen Sachen, nimmt den Ehering vom Finger und gibt ihn zusammen mit den Hausschlüsseln seiner Frau, die legt den Ring in den Ascher, drückt die Zigarette darin aus und gießt sich noch einen Wodka ein. Kein Wort, nur Kälte. Auf dem Limberg schlurft nun die Frau durch den Saal, der Mann legt seine Sachen auf einen Zuschauerstuhl, blickt einmal ernstböse – und erpokert sich ein wenig Geld, um zukünftig Restaurantbesitzer sein zu können. Die Lakonie von Trennung und Aufbruch vermittelt sich nur ansatzweise. Da die Szenenfolge stilistisch und emotional nicht wie im Film mit verlangsamtem Ernst zu einem künstlichen Universum wirkungsvoll zusammengebunden ist, läuft sie immer wieder leer und die verzweifelte Komik rutscht in die Comedy-Lächerlichkeit.
Anpassungswut, Integrationswillen, Kriegstraumatisierung
Auf die acht Akteure des Stadtensembles, die diverse Nebenrollen und als Chor den irakischen Khaled-Freund aus dem Flüchtlingsheim spielen, reagieren die fünf Profimimen unterschiedlich. Die einen sind ankernder Ruhepol, andere fühlen sich zu kauzigen Soli animiert oder passen sich dem Laienspielduktus an. Herausragend agieren Ronald Funke, der stoisch die stolz mürrische Traurigkeit des Eheflüchtlings gibt, und der in Damaskus aufgewachsene Ahmad Kiki. Er spürt mit Emphase der Anpassungswut, dem Integrationswillen und der Kriegstraumatisierung des Protagonisten nach. Nur hängt die Regie allzu sehr am Drehbuch und wagt nicht den Sprung ins Offene, um ein differenziertes Bild der komplizierten Geflüchteten-Lage zu entwickeln.
Verlegt wurde die Handlung von Helsinki nach Osnabrück. Weswegen auch nicht mehr skandinavische Schlager die Trostlosigkeit kommentieren, sondern der Posaunenchor Margaretenkirche die deutsche Blasmusikseele repräsentiert und gleichzeitig die Vielfalt der auf der Bühne sichtbaren Menschen erweitert. Für den transkulturellen Ansatz begleiten die Musiker auch arabischen Gesang und für die inhaltliche Aussage das Lied „Beamtenwillkür treibt mich fort von hier“.
Berührend wirkt dann doch das Ende. Nachdem sich das anfangs getrennte Paar wiederbegegnet, was in traurigschön unsicherer Zartheit gespielt wird, erzählt ein Stadtensemble-Mitglied seine Fluchtgeschichte, die der Khaleds sehr ähnlich ist, und beglaubigt so die künstlerische Fiktion mit seiner Biografie, ja, er verschafft gleichsam im Nachklang der Produktion den Respekt, den sie verdient.
