Doch weder der britische Dramatiker noch Regisseur Matthias Köhler zetteln eine Schul- oder Gerichtsstunde an – sondern lassen eine Kleinfamilie sich selbst zerlegen. Und die drei Akteure reichen ihre Rollen mit Furor und Feuer an. Die ungeliebte, nichtliebende Tochter, die dem Vater mit der Axt drohte, „vergisst“ heute nur noch den Geburtstag. Die Mutter gibt sich rollengerecht abwehrend-beschwichtigend, bis nicht mehr geht. Das geht konsequent bis in die Stimmlagen: Anna dunkel-weich, Maureen hell und hart, Edward, der so gerne eine Autorität wäre, irgendwo dazwischen. Alle drei verheddern sich in einer Schleife aus Beschuldigungen und Verwünschungen, die gerne reihum gereicht werden. Nur die Machosprüche („Kümmer‘ du dich um die Küche“) hat der Vater für sich allein. So machen sie sich – flink, flott, aber präzise – das Wohnzimmer zur Hölle, bis die Rückwand alles bis auf die Kleinfamilie von der Bühne schubst. Als das Zimmer wieder in Ordnung, aber leer ist, hängt statt des Seppl eine prügelnde Madonna an der Wand. Die Pointe – Edward ist gerade noch Lehrer, Maureen war es irgendwann mal, Anna evaluiert Schulen mit „Best Practice“-Sprüchen – braucht es gar nicht mehr. In dieser Familienaufstellung wird an den Fesseln gezerrt, geknotet, gerüttelt, aber nichts gelöst. Und so ist nach spannenden 90 Minuten viel mehr als nur der Dachboden zu entrümpeln.
