Ach ja: In Video-Projektionen flimmernde virtuelle „Butler“ gibt’s und automatisierte Befragungs-Computer, Tarps Firma hat den Menschen auch Chips implantiert, die jede Privatheit zerstören. Zudem grassiert eine Krankheit, die schlimmer wirkt als Alzheimer und Parkinson zusammen, und eine der EU-Funktionärinnen im Kreuzverhör ist von ihr schon genau so befallen wie eine der Rachegeister-Frauen aus dem Netz. Dann musste natürlich auch noch ein bisschen Liebe her: Innerhalb der Terror-Truppe (Frau mit neuem Freund und Tochter von früher), unter den schwulen Wirtschaftsbonzen und schließlich zwischen der EU-Frau und einem unbotmäßigen Gewerkschaftler. Was für motivisches Durcheinander! Wer da den Durchblick behalten möchte, hat wirklich viel zu tun.
Und vor lauter Mühe mit diesen unentwirrbar in- und miteinander verstrickten Handlungsstrukturen scheint völlig aus dem Blick geraten zu sein, dass dies kein futurologischer Kongress, sondern ein Stück Theater sein sollte. Schon die brockig-hölzerne Sprache, aufgelockert durch gelegentliche Anfälle von Kitsch, wenn’s irgendwie um Emotionen geht, verursacht nichts als gedanklichen Nebel auf der Bühne; und dass die bevorzugten Folterwerkzeuge der Netz-Terroristinnen lange Seile sind, die aus dem Bühnenhimmel herab hängen (die Opfer sind mal mehr, mal weniger schmerzhaft in ihnen vertäut), schafft zwar Arbeit für einen Spezialisten in „Luft-Akrobatik“ auf der Lohnliste der Produktion, sonst aber nichts; nicht mal ästhetischen Reiz. Auch optisch wird das Publikum eher mit der Bratpfanne behandelt: Das Terror-Trio ist ganz in Neopren-Schwarz gehalten, die befragten Funktionsträger eher in bunt, und die Wirtschaftslenker tragen – meine Güte! – Silber und Gold.
Einziger Lichtblick im Polit-Gewurschtel: ein Paketdienst-Fahrer, der den Job verlor und nun die Entführungsfahrten erledigt, von früher und aus dem Osten aber auch noch Brechts „Lob des Kommunismus“ kennt – „er ist das Einfache, das schwer zu machen ist.“ Ein Mensch wird hier sichtbar unter all den fürchterlichen Abziehbildern; einer wie wir. Auch er sieht aber eher so aus, als wäre ihm die Logik und Logistik dieser theatralischen Selbstüberhebung eher schnurz und piepe. Ob sich dieses ambitiös-wissenschaftliche Zukunftsprojekt wohl noch erholt von dieser Verirrung ins Theater?
