Die Akteure glauben das Moor noch zu hören unterm dem Asphalt, das schicke Konsumtempel hat schon Risse, bevor er eröffnet ist. In dieser brüchigen Welt denken die Figuren aber auch über das Leben und die Liebe nach. „Man will doch nur, dass einen der andere will, so wie ich das will, warum will er das denn nicht“, fragt sich da „fußpflege irene“ (Max Thommes), die den Bürgermeister anhimmelt und ihm eine knochenkrachende Fußpflege verpasst. Diesen Menschen ist das Urvertrauen abhanden gekommen, sie wollen einen Ort finden in der Ungewißheit – und suchen sie im anderen, fremden Menschen. Ferdinand Schmalz, für sein Stück „am beispiel der butter“ mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet und mit der Leipziger Inszenierung zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen, stattet seine Figuren mal mit schnurgeraden Sätzen aus, dann aber auch mit poetischen, verschlungenen Wortpfaden.
Und Regisseur Gordon Kämmerer hält sich, wie schon in seiner Leipziger Inszenierung „Das Tierreich“ von Nolte Decar, auf dem schmalen Grat zwischen Irrsinn und Methode. „fauna florentine“ (Runa Pernoda Schaefer) wird auf einem Phantasietier reingerollt, ein Bauernmädel-Assistent reicht die Kettensäge, ein blaues Laserschwert ist im Einsatz. Und aus Nebel und einer Bodenklappe kriecht der Herzerlfresser Herbert (Felix Axel Preißler), erzählt den Mythos und ist es doch selbst. Doch in all dem Trubel bleiben die Gedanken und Ängste präsent, die Verwunderung, dass aus dem Loch, in das wir das Essen stopfen, auch die Sprache kommt. Dass man, egal wie, doch nicht allein ist in der Welt. Und da verträgt die rasante wie nachdenkliche Inszenierung auch den Schlußkalauer: Zwei Paare, die sich irgendwie gefunden haben, auf Zeit, wahrscheinlich, wollen essen gehen – aber bitte was Herzhaftes.
