Im Zentrum des Stücks allerdings steht der knapp sechzigjährige Rabanta, der wegen Totschlags an seiner Frau sieben Jahre im Knast gesessen hat. Akif hat ihm dann den Job als Viehfahrer besorgt. Doch Rabanta – bei Bernd Rademacher ein weichherziger, schicksalergebener Trucker – hat Krebs und zieht sich in seinen Einsamkeit zurück, bis ihm die wütende Susanne (Minna Wündrich) vor den LKW läuft. Die eigenwillige und durchsetzungsfähige junge Frau will Rache für den Tod von Andrei. Sie zieht bei Rabanta ein und öffnet ihm die Augen über Akif. Er hilft ihr dann beim Abschlachten des Iraners, sie ihm beim Sterben. Nussbaumeder interessiert sich in seinem Stück weit mehr für Rabanta als für den Wanderarbeiter, dessen Bildungseinsprengsel und Aufstandsbegehren ironisch durchwirkt sind. Natürlich lassen sich darin, wie auch in den vernutzten Sprachbildern („In mir wächst ein böses Tier, der Krebs“), Horvàth‘sche Verfahren erkennen, doch das hilft der Wirkung des Abends nicht auf. Robert Schusters Inszenierung setzt das Stück noch zusätzlich unter Strom. Er lässt mit viel Emphase spielen, lässt schwarz gekleidete Statisten pantomimisch mit Schweinehaut und –kopf auftreten und projiziert Videobilder auf einen beweglichen Lamellenvorhang, durch den immer wieder zwei Fließbandtische und das auf Paletten aufgebaute Heim von Rabanta mit Kühlschrank, Sofa und Stehlampe hereinrollen (Ausstattung: Sascha Gross). Diese bühnentechnisch übersetzte Mobilität der Wanderarbeiter gerät hier aber zur leeren Mechanik. Der Stadttheaterapparat fährt auf, was er so zu bieten hat, doch mehr als ein weitgehend seelen- und emotionsloser Abend, den einige Zuschauer sogar noch vor dem Ende verlassen, kommt nicht dabei heraus.
