„Sauschneidn“ ist der große Abend der beiden Darstellerinnen, die sich einem gnadenlosen Kampf um Liebe und Hass aussetzen. Sybille Schleicher zeigt immer wieder zärtliche Töne zur „Prinzessin“ , um im nächsten Augenblick den Kopf ihre Schwiegertochter heftig auf den Topf mit Erdäpfelsterz zu schlagen. Auch Renate Steinle als Rosi spielt nicht nur die geschundene Kreatur, die zur Schnapsflasche greift, um ihr Martyrium weg zu saufen. Sie versucht dabei immer wieder ihr Ich zu behaupten, mal trotzig- aufmüpfig, mal hinterhältig lächelnd oder ebenso aggressiv wie Hansi. Insgesamt zeigt sie sich in ihrer Rolle desillusionierter als die Mutter. Atemberaubend bei beiden Schauspielerinnen die schnellen Mimikwechsel, dabei auch der Mut zur Hässlichkeit.
Mit kritischer alpin klingender Musik gliedert Fanny Brunner die einzelnen Szenen. Britta Lammers hat dazu einen artifiziellen Spielraum geschaffen, in dem zwei Podeste dominieren, einen mit einem Tisch, drei Stühlen und einem Kochherd, auf dem anderen zwei Bauernbetten, vor dem Podest ein weiteres Bett, im Hintergrund eine hohe Leiter vor dem Neonkreuz, darunter ein Weihrauchfass. Alle Dinge sind mit lateinischen Texten beschrieben. Am Ende wird mit einer Nebelmaschine, die von der Stimme bedient wird, die ganze Szene eingehüllt. Und ach ja, in Ulm wird die Grazer Fassung des Stücks gespielt, in steirischem Dialekt. Auch den meistern die beiden Schauspielerinnen.
