Da Lotz seinen abenteuerlich reichen, aufregend fragmentarischen, selbstbezogen kalauernden Lesetext ins Genre „Hörspiel“ einsortiert, nimmt ihn Regisseur Christopher Rüping beim Wort und inszeniert eine Show im „Radio Pumbawamba“-Studio. Der Moderator ist wie üblich ein Gute-Laune-Terrorist, Nachrichten werden verlesen mit den Schlagzeilen der wöchentlich ausgetauschten Krisengebiete. Das Ensemble spielt Musik, Jingles, Werbung, Lesung und inszeniert Lotz’ Material – als Live-Hörspiel. Per Live-Stream bei jeder Aufführung auch auf der Thalia-Homepage zu hören.
Aus Joseph Conrads Romanreise der Kolonialisten auf dem Kongo durch Afrika wurde einst Francis Ford Coppolas Filmreise der GIs auf dem Mekong durch Vietnam nach Kambodscha, nun ist es eine Theaterreise von Bundeswehrsoldaten auf dem Hindukusch durch den afghanischen Dschungel. Auch so ein Lotz-Gag. Da wir ja noch nie dort waren: Wer weiß denn schon, ob der Hindukusch ein karges Gebirge oder tropischer Fluss ist? So wie einst Grateful-Dead-Musiker die Urwaldklänge für den Filmsoundtrack perkussionierten, wird er jetzt von den Schauspielern inszeniert. Das Publikum muss schon wieder mitwirken: Aus kollektivem Händereiben und Füßegetrappel entstehen Regenwaldgeräusche, aus „Tsss“ und „Huuhu“ der Wind, dazu Affengequieke und Vogelgepiep. Die Offenlegung der Produktionsmittel der Illusionsmaschinerie läuft auf Hochtouren.
Die Live-Zuschauer bekommen zu den Hör- auch Sehbilder. Herzlich albern, wie sich die Darsteller mit Wasserzerstäubern den Dschungelschweiß auf die Haut spritzen. Hinreißend komisch die Marketingidee, Kriegselend fürs Geschäftemachen zu nutzen: Ein serbischer Händler illustriert mit Feuerzeug und Kerze wie eine Nato-Bombe sein Haus illuminiert, die Feuerbrunst seine Familie erstickt hat. Und wie er da nun im Adventskerzenkitschschein so besinnlich blinzelt, sollen wir, hoffentlich gerührt, ihm doch was abkaufen, lactosefreien Käse, Investmentfonds oder zumindest eine Stinkesocke. Bringt 2 Euro.
Das famose Ensemble ist multifunktional derart mit der Show der Klischees beschäftigt, dass die hinter all dem liegenden Zumutungen der Realität nicht transparent werden. Rüping lässt die Angebote des Stücks ungenutzt, den Text zu öffnen, den Jokus aufzureißen. Kittet vielmehr die Risse, verputzt die Brüche, bedeckt die Abgründe im Spielideenrausch. Der immer schriller – Leerlauf erzeugt.
