So wechselt die Inszenierung immer wieder zwischen Felix‘ erinnerndem und reflektierendem Monolog, Dialog- und Gruppenszenen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es ist eine strenge Form, die sich ganz auf Gerhard Fritschs Sprache und die Schauspieler verläßt und verlassen kann. Manchmal werden die Figuren nur mit einem Spot aus dem Dunkel geholt, dann wieder gibt es Szenen im grellen Licht, zu denen die bösen Zwillinge Pia & Mia (Klara Deutschmann, Sina Martens) höhnische Kommentare abgeben. Und Eva Langes Inszenierung bebildert nicht einfach den Text: Wenn Vittoria von der Verwandlung Felix‘ in das Dienstmädchen Charlotte erzählt, wirft sie ihm zwar Perücke, Papiere und ein Mieder hin, doch Felix zieht die Sache nicht an, bekommt nur später von Vittoria die Lippen geschminkt. Eine Geste, die sie später bei seiner Braut Hilga (Annett Sawallisch) wiederholen wird, die von den Zwillingen in ein groteskes Mieder gesteckt und ausgestopft wird.
So wechseln in dieser starken, gut zweistündigen Inszenierung Charaktere und Szenen immer wieder zwischen Beklemmung und Groteske, Irrwitz und Traurigkeit hin und her. Des grellen Schlußeffekts der Karnevalssitzung mit Konfettikanone und Dorfkapelle hätte es da gar nicht mehr bedurft.
Nach dieser Uraufführung beginnt am Nachmittag des heutigen Sonntags in Leipzig das 8. Sächsische Theatertreffen, bei dem die elf Sprechtheater des Freistaats ihre Inszenierungen im Schauspiel Leipzig und im Theater der Jungen Welt zeigen. Die Deutsche Bühne, Medienpartner des Festivals, wird in einem täglichen Blog davon berichten.
