Dieser Mensch nun nimmt einen Gast mit in sein kleines Reich: den Landstreicher Davies. Einen Gast, der nicht mehr geht, der zur Plage wird. Nachts macht er Geräusche, immer stinkt er. Doch Aston duldet ihn, gibt ihm ein Bett und neue Schuhe, macht ihn zum Hausmeister. Hans-Michael Rehberg spielt den Alten, der nicht eben ein Sympathieträger ist, der keine Gelegenheit auslässt, über die Ausländer an sich und die Neger im besonderen zu schimpfen, und der das Spiel mit dem Mitgefühl der anderen perfekt beherrscht. Dennoch: Die beiden Außenseiter arrangieren sich, es entstehen kurze Momente der Nähe, der Vertrautheit. Zusammen ist man halt weniger allein. Aber allein sind die beiden eh nicht. Da ist ja noch Mick, seines Zeichens der Besitzer der Bruchbude, selbsternannter Unternehmer und Astons Bruder. Ein echter Macker, das Gegenteil des zarten Astons. Norman Hacker spielt ihn voll Inbrunst und Testoteron, lässt aber auch die Brüchigkeit der Figur aufscheinen. Mick will das Gebäude luxussanieren und traut dem Arbeitseifer seines Bruders nicht. Er will Davies für seine Zwecke einspannen – und der nimmt die Einladung zum intriganten Doppelspiel zwischen den Brüdern gerne an.
Pinters Figuren reden viel. Jeder erzählt jedem irgendwas, oft ohne erkennbaren Zusammenhang. Dialoge sind selten, eher reihen sich hier Selbstgespräche aneinander. Wenn zwei doch mal miteinander und nicht aneinander vorbei sprechen, drehen sich die Gespräche im Kreis, schrauben sich immer weiter in abstrus-komische Wiederholungen und Variationen des ewig Gleichen. Auch am Ende weiß man nicht, wer diese Menschen eigentlich sind. Alle drei haben in ihrer Verschiedenheit eins gemeinsam: Sie sind gefangen in einem Stillstand, in dem alles möglich ist, aber nichts geschieht. Sie leben in einem ewigen „Wenn“, auf das nie ein „Dann“ folgt.
Andrea Breth lässt Pinters Worten – und seinen Pausen – viel Raum. Sie inzeniert Wort für Wort, Schweigen für Schweigen, dehnt den Stillstand bis zum Zerreißen aus. Zweieinhalb sehr lange Stunden reden ihre Figuren über alles – und nichts. Ein Ärgernis ist das nicht, aber auch keine Überraschung.
