Die junge Regisseurin Johanna Wehner hat sich bei „Intensivtäter“ für eine grelle Farce entschieden. Das kann man machen. Die Bühne ist ein von Absperrband umgrenztes Feld mit elastischen Steinplatten, einem seltsamen Würfel aus Laub und einem Beet mit exotischen Pflanzen. Es geht sich nicht solide auf diesem schwankenden Grund. Das bunte Trüppchen, das von der Seite einzieht wie auf ein Schlachtfeld, bemüht sich vergeblich um Gleichschritt und Ordnung. Das Schauspielerquartett steckt in den grässlichsten Kostümen. Johanna Eiworths Richterin trägt einen gesteppten Insektenpanzer auf dem pepitagemusterten Rücken; Holger Kunkels Bürgermeister liegen die Haarsträhnen in militärischer Ordnung über dem kahlen Schädel; Iris Melameds Mutter schleppt einen Rucksack über durchsichtigen Pants und schaut mit verständnislosen Augen unter kunstvollen Haarnestern hervor; Charlotte Müllers Performerin treibt es wüst mit blonder Mähne, Spielhöschen und Ringelstrümpfen.
So viel infantilisierende Hässlichkeit ist schwer zu ertragen. Auch hier tut sich die Frage auf: warum? Braucht es ein Achtung!-Schrill-Equipment mit Spitzhütchen und Luftballons, um die Absurdität der Debatte über türkische und arabische „Intensivtäter“ zu illustrieren? Man kann diese Comicfiguren nicht ernst nehmen. Man sollte es aber vielleicht doch. Das pure Lächerlichmachen von Positionen wie derjenigen der Richterin Heisig wird der politischen Komplexität des Problems nicht gerecht. Die Regie findet kein Verhältnis zu dem Diskursraum, den Brodowskys literarisch keineswegs meisterhaftes, aber spannendes Stück öffnet. Sie ist eine Lektion in Hilflosigkeit. Eine Kapitulation.
Von Jan Gehlers „Seattle“-Inszenierung kann man das nicht sagen. Hier ist mit Modellen von Plattenbauten eine schöne Bühnenlösung gefunden. Stefanie Schönfeld ist eine trotzig-rotzige Frances, André Benndorff ein Menschenfreund im Superman-Kostüm, Nicole Reitzenstein eine Mascha mit praktischer Vernunft und Schwärmerei auf Sparflamme. Warum entzündet sich kein Interesse an diesen Figuren? Warum lässt ihr Schicksal – immerhin stirbt ein zehnjähriger Junge – kalt? Vermutlich, weil sie der Autor zu eindimensional und ohne Entwicklungsmöglichkeit gezeichnet hat. Herr Yildiz immerhin kriegt noch die Kurve. Auf dem Motorrad lässt er die traurigen Berliner Verhältnisse hinter sich. Man gönnt es ihm. Nichts wie hinterher.
