Pellier hat das ziemlich nüchtern aufgeschrieben als Selbstausschüttung der beiden Alten. Es ist keine literarische Überformung spürbar. Empfindungen, Meinungen, Klischees zum Thema einst und heute, wie sie jeder schon gehört hat, reihen sich. Doch den Schauspielern im Studio des Deutschen Theaters Göttingen gelingt es, durch Haltung und Mienenspiel den Blick weg vom gesellschaftlichen Lamento und hin auf die existentielle Leere, Angst und Verlorenheit der beiden zu lenken. Gerade im ersten Teil, der noch dialogische Passagen hat und auch die Planungen eines gemeinsamen Selbstmords thematisiert. Wenn Gaby Dey mit lächelnden Kommentaren und manch verschmitztem Blick die Aussagen des Ehemanns mitfühlend relativiert, hat das einen Hauch von Wladimir und Estragon. Sie fand den sportlich gebliebenen gleichaltrigen Freund eben durchaus nett und versteht, warum ihr Mann, der nicht mehr so gut zu Fuß ist, ihn als windig schmälert.
Zum Glück hat Regisseurin Antje Thoms der Versuchung widerstanden, die Aussagen der beiden kinderlosen Alten zu denunzieren. Wenn Er über die aggressiven Balgereien der Kinder in der Feriensiedlung schimpft: „alles potentielle Sadisten“. Wenn beide feststellen: „Was den Zauber des Ortes ausmachte, ist weg“, sind das aus Sicht des Paares Wahrheiten, die sich klar aus ihrer Situation und den daraus wachsenden Ängsten ergeben. Und ohrenbetäubender Punkrock zum Umbau bestätigt diese Empfindung.
Im zweiten Teil aber wird das Pflegeheim Wirklichkeit. Sie ist nun stumm und depressiv. Gaby Dey spielt auch das mit großer Suggestion. Wie sie die Arme apathisch hebt, wenn der Pfleger sie umzieht, sich mit stierem Blick kämmt und dann am Kamm herumkaut, das geht unter die Haut.
Paul Wenning erzählt nun allein. Trifft gut das Kurzatmige, Resignative: „Unser Leben war nicht interessant.“ Aber er müsste stärker modulieren, vielleicht auch mal richtig losschimpfen, so wird dieser Teil doch etwas monoton. Das entspricht womöglich der Durchschnittlichkeit, die das Paar vorstellen soll. Aber Pelliers Text ist auch gar zu schlicht und spannungslos. Dank der Schauspieler wird immerhin die unausweichliche Einsamkeit am Ende aller Tage spürbar.
