Leider aber gleitet Engels Textauswahl – gewiss: er hatte aus über 200 Szenen zu wählen – zur Beliebigkeit ab. Es erschließt sich gerade nach der Pause nicht mehr, warum diese oder jene Episode unbedingt auch noch zu sehen sein musste. Zu diesem Eindruck tut das zunehmende Theater an der Rampe sein übriges. Schlichtweg zu oft stehen die Mimen einfach vorn am Bühnenrand und sprechen ihre Texte in den Zuschauerraum. Das wirkt dann artig aufgesagt, berührt aber zu selten. Und die überhäufig eingestreute österreichische Mundart schafft zusätzliche Distanz.
Kitsch und Pathos offenbaren sich im Schlussbild. Das Dach wird gelüftet, der Himmel reißt auf und Wolfgang Engel erscheint höchstselbst. Ganz in Weiß hält er vor einer Komposition aus blutenden Leibern und Schlachtmotiv salbungsvoll den Monolog eines Marsmenschen, der die Erde zerstört, weil sie die Menschen nicht verdient hätten. Der Vorhang senkt sich und mit letzter Tinte lichtmalt Gott: „Ich habe es nicht gewollt“. Warum muss die bewegend begonnene Inszenierung dann als solch lächerliches Front- oder Affront-Theater enden? Anachronistischer geht es nicht, der anspielungsreiche Text fällt mit dem Vorhang vollends aus der heutigen Zeit. Karl Kraus ist doch noch im Museum gelandet.
