Nun schmeißt sich die Aufführung nicht enthemmt in die Situation, sondern bremst mit kapitelweise abgehakten Aufklärungsszenen. Im wissenschaftlich ausgenüchterten Biologiebuchdeutsch des Aliens ist einiges über Hormone, Geschlechtsteile, Verhütung, Onanie zu hören. Der Kampf zwischen Medienideal und Minderwertigkeitskomplexen klingt schon selbstironisch. Er bearbeitet mit Liegestützen seinen „Sixpack im Speckmantel“, sie beklagt einen „Hintern wie ein Elefant auf Diät“ und sortiert ihre Unterwäsche: Slips mit Pferdbildern gehen gar nicht mehr. Tanga? „Ich denke, es geht ums Anziehen? Wo ist denn der Stoff?“ Push-up-BHs? „Das ist geschummelt!“ Aber wenn der Traumboy anbeißt, ist Hochstapelei erlaubt? Balzdialoge werden vorgeführt, Top-Tipps zum Knutschen gegeben, Sexstellungen mit Barbie und Ken erklärt. „Die labern und labern“, ruft eine genervte Zuschauerin. Denn zu selten wird das erste Mal Theater. Ok, ein Kondom spannt sie übern Gangschaltungsknauf des elterlichen Autos, um schon mal den Geschmack leckend zu testen. So ein Art Strip-Poker wird angedeutet, auch mal Romeo-und-Julia-Poesie probiert. Beschlafrhythmen und Sexlyrics der Barock- und Popmusik sind zu hören und per Kissenschlacht werden die Körper in den Verschlingungsmodus transferiert. Der Praxistest selbst kommt als kontaktimprovisatorisches Kinderballett zur Aufführung. Was wirklich abgeht, berichtet das Alien als Sexreporter, bis seine Schaltkreise glühen und Sicherungen durchbrennen. Über den schwänzlich baumelnden Anhang des Mannes wird ins Logbuch notiert: „Versteifung der Kabelvorrichtung.“ Ein Stecker! „Während die Buchse… Aufnahmeflüssigkeit erzeugt.“ Vielleicht ein Exportschlager für seinen Planeten. Auf alle Fälle ein Grund, auf der Erde zu verweilen: „Bleiben um zu kommen.“ Diese orgiastische Doppeldeutigkeit ist dann auch der Witz-Höhepunkt der Aufführung, die mit den Spieltrieben, die dem Thema innewohnen, viel zu wenig anfangen kann.
