Nun geht´s los mit einer Orgie aus name dropping, Anspielungen, Stilzitaten. Wedekind, Rosa Luxemburg, Lasker-Schüler, alle möglichen Utopien sausen mal eben durch den Text, meist unverdaut eingebaut. Aus dem 19. Jahrhundert grüßen Marx und Nietzsche. Die jungen Leute probieren Haltungen aus, regen sich schon mal ordentlich auf, spielen rum, zwei sterben im Krieg. Was Bukowski erzählen will, bleibt schleierhaft. Es gibt Zeitsprünge, nicht alle Beweggründe müssen erklärt werden. Aber warum die junge Thea erst cool und selbstbewusst ist, dann hysterisch ausrastet, in eine Anstalt eingeliefert wird und dann als Model großer Künstler mit eigener Wohnung wieder auftaucht, wirkt schon arg zusammen geschustert.
Richtig ärgerlich sind einige schlampig gebaute Szenen. Da liest Bruder Klaus seiner Schwester aus einem Buch einige Sätze vor, die Gewalttaten im Kongo beschreiben. Ohne zu wissen, was das für ein Buch ist, regt sie sich furchtbar auf. Ihr Vater betritt den Raum, sie hält ihm Fotos und Texte vor, die sie überhaupt nicht gelesen haben kann, da sie ja bloß die paar Sätze von eben kennt. Das sind grundlegende handwerkliche Fehler, die Bukowski sonst nicht passieren. Das Stück „Wo ist die Waffe, wo ist der Feind?“ wirkt wie eine vorläufige Skizze, die noch weit von der Uraufführung entfernt ist. Diese hat aber nun dennoch stattgefunden. Meinhard Zanger liefert mit dem wackeren Ensemble des Wolfgang-Borchert-Theaters Münster redliche Bühnenarbeit, bebildert brav die Szenen, mischt stimmungsvoll Musik und Filmeinspielungen dazu, ganz im Dienst eines Stückes, das all die Mühe noch nicht wert ist. Doch es musste nun raus kommen, schließlich geht es ja um die Zeit vor hundert Jahren. Es ist schon manchmal ein Elend mit diesen Auftragswerken!
