Das Grundthema des Stücks ist, anders kann man es nicht sagen, brandaktuell, zumal in Zeiten, in denen in Bochum hunderte Opel-Mitarbeiter vor dem Verlust des Arbeitsplatzes stehen. Welche Protagonisten versammelt nun Dirk Laucke für diese Szenerie in seinem neuesten Stück? Da wären zunächst die beiden Verlierer Jimi und Markus. Jimi ist Verlierer, weil sein Weg, als Arbeiter ein Leben lang in derselben Firma zu arbeiten, zum Auslaufmodell wird, Markus hat im Privaten verloren, verlassen von Frau und Kind, in Behandlung wegen anhaltender Depressionen. Das Porträt dieser Verlierer ist zunächst wenig erstaunlich, und auch der Griff zur Waffe erscheint auf den ersten Blick eher vorhersehbar. Der Verlauf der Geiselnahme nimmt dann aber doch eine recht überraschende Wendung: Herr Fassbender, „Jimi sein Ex-Chef“, versteckt sich im Keller, ist ausgebrannt und gescheitert, vielleicht dement, sein Betrieb soll an die Chinesen verkauft werden: Er ist also ebenfalls ein Verlierer.
Nun ist Dirk Laucke, wie auch die Regisseurin, in den Achtzigern geboren, und vielleicht ist diesem Umstand die Tatsache geschuldet, dass es noch eine weitere Figur gibt, die gar nicht so sehr Nebenrolle ist, wie man zunächst annehmen könnte: Lúc, „thirtysomething“, der irgendwo zwischen Ich-AG, Escort-Service und dem Hoffnungs-Individualismus eines Berufsanfängers irgendwie sein Ding macht. Er schwebt zwischen bitterem Realismus und naiver Träumerei, er hat den Sozialstaat abgeschrieben und schwärmt zugleich begeistert von Jean Claude van Damme als Personifikation des amerikanischen Traums. Er richtet die von Markus mitgebrachte Kamera auf sich selbst, um die Story auszuschlachten, ist letztlich profit- und erfolgsorientiert. Dieser Lúc ist nicht so offenkundig ein Verlierertyp wie die anderen. Er lenkt den Blick in die Zukunft und wirft Fragen auf, denn er steht vielleicht für das, was entsteht, wenn die alten Berufs- und Lebensmodelle auslaufen. Schöne Aussichten wären das nicht.
