Die Uraufführung übersetzt Alexander Schilling in vitalitätssprühendes Jugendtheater auch für Erwachsene. Instabile Figuren wechseln in einem Satz mehrmals die Haltung, suchen spielerisch nach passender Identität, als Schutz, Rüstung. Ständig alles überspitzen, um zu sehen wie weit man kommt. Stets ironisch brechen, um sich erst mal nicht festlegen zu müssen, weiterspielen zu können. Dieses pubertäre Bewusstsein findet in der Aufführung seine ästhetische Manifestation. Sie feiert zwischen Toll- und Klarheit ihre stilistischen Brüche. Schilling entdeckt dabei eine zweite Bedeutungsebene: Suche nach räumlicher wie auch innerer Heimat – und das Gefühl der Bedrohung durch der/die/das Fremde vor der eigenen Haustür und dahinter. Alfonso begegnet draußen Juden, drinnen seinem bisher unbekanntem Begehren: hervorgezaubert durch die Jüdin Rechja. Fremdes mit der Fremden feiern. Dann: Beziehungskrise. Der König kann seine Leidenschaft nicht ersticken. Angst und Scham erzeugen Selbstbehauptungszwänge, denen Religion die Munition zu aggressiver Abgrenzung liefert. Alfonso zieht in den heiligen Krieg gegen die Mauren, unterlässt den Schutz der Juden: In Ritterrüstung spielt er ein Schlagzeugsolo, Hörspiel des Abschlachtens, während sich der Hofstaat mit Blut bespritzt und ekstatisch abtanzt. Krieg ist einfach die geilste Party. Alle sterben. Nur Alfonso überlebt – innerlich tot. Alles kackenlangweilig jetzt. Die beweisführende Aufführung ist genau das Gegenteil. Welches Wort auch immer dafür gerade jugendjargonmäßig aktuell ist…
