Zur matten Inszenierung passt auch das Dirigat Daniel Barenboims. Bei der vor Opernbeginn gespielten Nationalhymne gibt es sogar Patzer im Orchester. Barenboims Mozart ist dann eine Mischung aus mechanisch aneinander gereihten Einzelelementen ohne Doppelbödigkeit oder besondere Konturen. Arie reiht sich an Arie, die Rezitative versickern im Belanglosen, selten wird der Brei aus gediegenen Tempi und mittlerer Lautstärke mal aufgekocht.
Peter Mattei liefert schöne, kernige Giovanni-Töne, Bryn Terfel intoniert den Adlatus Leporello zeitweise etwas grob, Anna Netrebko gibt die Donna Anna – frei von jeglichem Jungmädchencharme früherer Zeiten – mit reifem, warmem Timbre, sie kann oder will jedoch kleinere technische Unsauberkeiten nicht verstecken. Anna Prohaska singt die Zerlina mit kleiner, feiner Stimme, Štefan Kocán ist ein tadelloser Masetto, Barbara Frittolis Donna Elvira besitzt leider etliche vokale Schärfen, Kwangchul Youn überzeugt als verlässlicher Komtur. Wenig Lärm also um wenig an diesem lauen Wintertag in Mailand.
