Theater Pforzheim https://www.die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/1946 de Damian Gmür, Edan Gorlicki, Linköping: Tanz Pur 4 https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/maritime-umgebung <span>Damian Gmür, Edan Gorlicki, Linköping: Tanz Pur 4</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>Sa., 11.05.2019 - 12:57</span> <div><p>Am Einlass weist ein zackiger Kapitän in Galauniform das drängelnde Publikum ein. Doch hier geht es nicht zum Käptens-Dinner auf ein Traumschiff, sondern zur 4. Ausgabe von TANZ PUR, der zeitgenössisch innovativen Veranstaltungsreihe des Theaterballetts. Die findet diesmal im „360-Grad-Gasometer“ statt, in einem vom früheren Pforzheimer Stadtgas-Speicher zur Event-Kultstätte umgebauten Monument, wo zur Zeit der Künstler und Architekt Yadegar Asisi sein imposantes <a href="https://www.gasometer-pforzheim.de/de/ausstellung">„Great Barrier Reef-Panorama“</a> zeigt. Die spektakuläre Rotunde mit den farbigen Unterwasser-Korallen-Steilwänden bildet fantastische Raumkulissen und -situationen aus, ohne die gebotenen Tanz-Aktionen zu erdrücken. Ganz im Gegenteil: Das einer australischen Tiefsee-Landschaft nachempfundene Rundbild belebt und bietet den Zuschauern auch von seinem in der Rotundenmitte errichteten Aussichtsturm originelle Perspektiven auf die sich tänzerisch abarbeitenden kleinen Menschen.</p> <p> In dieser maritimen Umgebung landen die Pforzheimer Compagnie und ihr Chef, Ballettdirektor Markowitz, offensichtlich am gewünschten Ufer – nämlich bei einem Tanztheater, das zwischen theatralisch verspielten und balletteusen Szenen changiert. Das eingangs auf der spiegelglatten Grundfläche des ehemaligen Gaskessels präsentierte Tanzsolo mit dem Titel „Meanwhile“, das von dem schwedischen Tänzerkollektiv des Pforzheimer Kooperationspartners aus Linköping choreografiert und von Eleonora Pennachini (alternativ von Evi van Wieren) frei improvisierend ausgestaltet wird, kreiert zur Hintergrundmusik von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=k3Fa4lOQfbA">Serge Gainsbourgs „Je t‘aime“</a> und der abschließend leise aus einem Radioempfänger singenden <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fJ9rUzIMcZQ">„Bohemian Rhapsody“</a> verqueres Bewegungsgeschlängel eines Meeresbewohners. Das quallenartige Geschöpf im seidig weiß leuchtenden Outfit spielt mit seinen Kostüm-Tentakeln oder Kugeln aus verfilztem Tang und Muschelkalk und sucht interaktiv Partner im herumstehenden Publikum.</p> <p> Das zweite Stück des Abends, <a href="http://www.damiangmuer.de/">Damian Gmürs</a> Choreografie „Wolken die uns nicht tragen“, wird mit „one, two, three“ scharf angezählt. Harte Schlagrhythmen und Geräuschlärm lösen bei zwei Paaren, die einen scheinbar leblosen, an einem vom hochhaushohen Gasometer-Dach herab baumelnden Seil aufgehängten Menschenkörper umkreiseln, einen erregten Tanz-Tumult aus. Zu Wassergeplätscher, Heulbojen-Klängen und Stampfen, das von Schiffsmaschinen herrühren könnte (Soundtrack: Fabian Schulze), wechseln die Protagonisten von Angstzittern und spastischem Gezappel zu zerdehnten Zeitlupen-Sequenzen, vom Wiegeschritt zu verschrobenen Tanz-Figurationen, von Angstzittern zu weiten Ausfallschritt-Kombinationen. Paartänze enden in verzerrter Boden-Gymnastik. Wut und resignierende Traurigkeit liegen dicht beieinander. Und immer schwebt der am Seil Aufgehängte in ihrer Mitte. Zuweilen stoßen ihn die Akteure zu neuem Schwung, bis er kopfüber taumelt, und wirbeln dazu in wahnwitzig verschraubten Drehern. Dann sind Schüsse zu hören, die Tänzer bleiben erschöpft am Boden liegen und Meeresrauschen rollt in wuchtigen Brechern über sie hinweg.</p> <p> Nach der Pause verwandelt sich das Pforzheimer Gasometer in ein versunkenes Schiff. <a href="https://edangorlicki.com/">Edan Gorlickis</a> Choreografie „Diving The Yongala“ umspielt in facettenreicher Vielfalt von theatralischen und vertanzten Szenen eine unheimliche Havarie, die sich tatsächlich ereignet hat: Infolge eines Zyklons sank am 23. März 1911 vor der Ostküste Australiens die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yongala_(Schiff)">„SS Yongala“</a>. Von den 122 Passagieren und Besatzungsmitgliedern wurde kein einziger geborgen oder an Land gespült. Publikum und Tänzer begegnen sich auf dem Havaristen. Während die mit Taschenlampen ausgestatteten Zuschauer aus den dunklen Gasometer-Katakomben über Stufen und Emporen des Panorama-Aussichtsturms bis zum Schiffsdeck aufsteigen, kämpfen die ertrinkenden Passagiere um ihr Leben, vereinen sich in letzten verzweifelten Liebestänzen. Auch wird das versunkene Wrack von Geisterwesen heimgesucht und von sportiven Tauchern durchstöbert. Die musikalisch von einer Collage aus den Alben „Dyad 1909“, „The Fauna and Flora of Vatican City“ und „Memoryhouse“ wirkungsmächtig beschallte Untergangsdramatik mündet in eine choralartig dröhnende Totenmesse ein, die vom Ensemble tänzerisch eindrucksvoll zelebriert wird.</p> <p> Die Pforzheimer Choreografen und Ausstatter (Kostüme: Katharina Andes, Licht: Andreas Schmidt) haben sich kongenial von dem besonderen Aufführungsort inspirieren lassen, der Auszug aus dem traditionellen Theaterhaus hat sich gelohnt.<br />  </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Tanz Pur 4</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Maritime Umgebung</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Damian Gmür, Edan Gorlicki, Linköping</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-05-10T12:00:00Z">10.05.2019</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.theater-pforzheim.de/veranstaltungen/ansicht-veranstaltungen/event/d/s/eventDetail/0/tanz-pur-4-8889.html">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 11.05.2019 - 13:05</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/96D0F69C-1342-4AC6-A878-07B2E4EE35AC.jpeg?itok=Zp9kRtOm" width="100" height="68" alt="Thumbnail" title="Ensemble in Damian Gmürs „Wolken die uns nicht tragen“" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/96D0F69C-1342-4AC6-A878-07B2E4EE35AC.jpeg?itok=FDI7cTvV" width="1800" height="1200" alt="Ensemble in Damian Gmürs „Wolken die uns nicht tragen“" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sabine Haymann</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Ensemble in Damian Gmürs „Wolken die uns nicht tragen“</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 11 May 2019 10:57:19 +0000 Eckehard Uhlig 12019 at https://www.die-deutsche-buehne.de Guido Markowitz: Verwandlungen - Der Feuervogel/ Metamorphosen https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/unorthodoxe-phantasie <span>Guido Markowitz: Verwandlungen - Der Feuervogel/ Metamorphosen</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>So., 27.01.2019 - 15:00</span> <div><p>Die Mischung macht‘s. Die Kombination der Tanzstile aus verschiedenen Epochen hat Charme – jedenfalls in der Abfolge von klassisch inspiriertem Spitzentanz, abstrakt tänzerischer Ausdruckskraft und zeitgenössisch-urban beeinflusster Barfußmoderne. Guido Markowitz‘ neuer Ballett-Dreiteiler „Verwandlungen“, der am Pforzheimer Stadttheater seine Uraufführung erlebte, begeistert mit unorthodoxer choreographischer Phantasie. Und die wird zusätzlich von musikalischer Energie entfaltet und angetrieben.</p> <p>Der erste, mit „Der Feuervogel“ überschriebene Teil hält sich an die klare Struktur des gleichnamigen Balletts von Michail Fokine, also an die russische Märchenerzählung vom Zarewitsch-Prinzen (in Pforzheim „Der Mann“), der im geheimnisvollen Garten des bösen Zauberers Kaschtschei (hier „Der Magier“) auf den Feuervogel trifft und mit dessen Hilfe die verzauberte schöne Prinzessin (hier „Die Frau“) und ihre Begleiter (hier „Das Unheil“) erlöst. Das anfangs unter einer raschelnden Plastik-Plane verborgene „Unheil“ (fünf maskierte Tänzerinnen und Tänzer in enganliegenden schwarzen Ganzkörpertrikots) füllt zunächst den nachtdunklen, mit düsteren Wolken und alten Rebstöcken im Hintergrund ausgestalteten Bühnenraum, nachdem die Plane in den Himmel gezogen wurde, und gibt zögerlich den Ring frei für die Solisten. Eleonora Pennacchini ist im schwarz-roten Federkleidchen und Kopfputz ein auch auf der Spitze tanzender, energiegeladen flügelnder Feuervogel. Der wird vom frisch und munter mit eroberungslustigem Machismo auftrumpfenden „Mann“, den Elias Bäckebjörk tanzt, kaum gebändigt. In ihrer von zarter Tanzpoesie geprägten Rolle als „Die Frau“ ist Alba Valenciano Lopez in hautfarbenen Underwear-Shorts und Bustier ein anrührend vor sich hin träumendes Mädchen. Sie und „Der Mann“ versuchen in mehrfach ansetzenden Pas de deux zueinander zu kommen. Natürlich stört „Der Magier“ (Abraham Rodriguez Iglesias) zusammen mit seinem „Unheils“-Gefolge die aufkeimende Liebesbeziehung: Ihrer eigenwillig verqueren Bewegungssprache sieht man die hinterhältigen Absichten buchstäblich an. Sie haben aber gegen das obligatorische Märchen-Happyend keine Chance. Strawinskys Feuervogel-Ballettsuite, die von der Badischen Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Florian Erdl mit poetischen Melodielinien oder lärmend-schrillen Akzenten passgenau eingespielt wird, sorgt für die musikalische Untermalung.</p> <p>Der zweite, dem römischen Dichter Ovid und seinen mythischen Metamorphosen gewidmete Teil zu Strawinskys (wiederum von der Philharmonie ausgeführten) „Dumbarton Oaks“ ist in seiner Struktur problematischer und muss eine ganze Reihenfolge von Verwandlungssagen mit Göttern, Nymphen und menschlichen Heroen tänzerisch umsetzen. Beispielsweise verwandelt Venus ihren Liebling Adonis in eine Blume, die von Jupiter begehrte Calisto wird von der eifersüchtigen Hera zur Bärin missgestaltet, die von Apollo verfolgte Daphne erstarrt als Lorbeerbaum. Das Bühnendesign zeigt mit griechischen Vasenbildern, die auf die Rückwand projiziert werden, den jeweiligen Mythos an, genauso wie die mit prunkvollen Goldkostümen sowie applizierten Attributen (wie Hirschgeweihhörnchen für den Jäger Aktäon oder Lyra-Saiten für Orpheus) ausstaffierten Protagonisten. Die Choreographie mit sich überblendenden Soli, Duos, Trios und Quartetten vermittelt in harten Konturen bewegte Bilder und Emotionen.</p> <p>Ganz ohne anekdotische Beigaben kommt der abschließende, als „Metamorphosen“ übertitelte Teil des Ballettabends, der sich nur noch erinnernd auf Ovid bezieht, mit bizarr wuchernden Ensembles daher, aus denen sich immer wieder einzelne Paare lösen. Die Akteure sind in schwarze Anzüge mit langen Hosen und Cutout-Sakkos gekleidet und setzen zu den monoton repetierten Tonfolgen der „Metamorphosis“ von Philip Glass, die Yonatan Cohen am Flügel interpretiert, metallisch silberne Tierkopfmasken auf und ab. Manche agieren auf flachen Sohlen wie tänzerische Dampfmaschinen, hampeln und zittern wie Parkinson-Patienten, erleiden epileptische Spasmen oder landen fallsüchtig am Boden. Schließlich öffnen alle ihre Münder zu lautlos-pantomimischen Munch-Schreien, was ihre Gesichter in Fratzen verzerrt. Ein prekäres gesellschaftliches Beziehungsgeflecht scheint sich krankhaft aufzulösen. In diesen Szenen leuchtet die Handschrift von Markowitz, der vom Tanztheater kommt und von seinen Ausstattern (Bühne von Philipp Contag-Lada, Kostüme von Marco Falconi) kongenial unterstützt wird, mit besonderer Intensität auf. Eine spannende und erregende Tanzinszenierung.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div> Verwandlungen - Der Feuervogel/ Metamorphosen</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Unorthodoxe Phantasie</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Guido Markowitz</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-01-26T12:00:00Z">26.01.2019</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.theater-pforzheim.de/veranstaltungen/ansicht-veranstaltungen/event/d/s/eventDetail/0/verwandlungen-metamorphosen-8613.html">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Guido Markowitz</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Florian Erdl</div> </div> <div> <div>Autor der Vorlage</div> <div>Ovid</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Vorlage</div> <div>Metamorphosen u.a.</div> </div> <div> <div>Komponist</div> <div>Igor Strawinsky, Philipp Glass</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 26.01.2019 - 20:04</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild2_Pennacchini_FotoAndreaD%27Aquino.jpg?itok=Fd6MGfnM" width="100" height="60" alt="Thumbnail" title="THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild2_Pennacchini_FotoAndreaD&#039;Aquino.jpg" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild2_Pennacchini_FotoAndreaD%27Aquino.jpg?itok=8JIXyiWR" width="1800" height="1200" alt="Eleonora Pennacchini als Feuervogel" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Andrea D&#039;Aquino</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Eleonora Pennacchini als Feuervogel</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 27 Jan 2019 14:00:38 +0000 Eckehard Uhlig 11846 at https://www.die-deutsche-buehne.de Guido Markowitz: Mozart Requiem – Feiert das Leben! https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/theater-hybrid <span>Guido Markowitz: Mozart Requiem – Feiert das Leben!</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>So., 21.01.2018 - 13:37</span> <div><p>Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“ ist ein mystischer Fall: Ein geheimnisvoller „grauer Bote“ bestellte bei dem bereits todkranken Komponisten eine Totenmesse und bezahlte das Honorar im voraus. Das Werk blieb unvollendet und wurde (nach Skizzen des Meisters?) von Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr vervollständigt. Namhafte Choreographen haben die in der Trauer-Tonart d-Moll gehaltene Kirchenmusik, ihre Chöre, Vokalsoli und den Orchestersatz in der körperbetonten Sprache des Tanzes auf die Theaterbühne gebracht. Guido Markowitz' Tanzfassung, die am Pforzheimer Theater Premiere hatte, fügt einfallsreich Elemente hinzu, die sich aus der geistig-emotionalen Struktur der Mozart-Komposition entfalten und speisen.</p> <p>Da ist die Leitidee, die Wände zwischen den beiden sich ohnehin nahestehenden Sparten Musik-theater und Tanz beiseite zu schieben. Der umfangreiche, die Akustik des Stadttheaters zuweilen arg strapazierende Chor (aus den vereinten Ensembles Theaterchor und Oratorienchor Pforzheim) singt und lamentiert nicht nur ausdrucksstark aus beleuchteten Notenbüchern, sondern spielt auf der Bühne mit, oder rahmt die handelnden Tänzer wie ein Volksauflauf ein. Mit dabei in malerisch rotlichtig aufgeschlitzten Mänteln auch die vier, ihre jeweiligen Parts gediegen umsetzenden Vokalsolisten Elisandra Melián (Sopran), Danielle Rohr (Alt), Dennis Marr (Tenor) und Lukas Schmid-Wedekind (Bass). Das Musikalische führt Generalmusikdirektor Markus Huber am Pult seiner Badischen Philharmonie, deren Bläser und Perkussion besonders gefordert sind, solide zusammen.</p> <p>Auch für die Tanzgestaltung selbst hat sich Markowitz manches Neue ausgedacht. Seine kleine Compagnie umspielt munter zwei Tanzsolisten: Ein Mädchen (Ana Rita dos Santos Brito da Torre) und den Tod (Antoine Audras). Ihr Generalthema ist das Sterben – die Trauer darüber und die Furcht davor. Aber als Drittes bricht sich mit tröstlich-beruhigender Helle gleichsam „das ewig leuchtende Licht“ seine Bahn, auch in Oliver Feigls optisch wunderschönen Video-Liveprojektionen, den schwebend-tändelnden Federwölkchen und bunt schlängelnden Schwärmen erlöster (menschlicher) Seelen, die Bewegungen der Tänzer abbilden.</p> <p>Die Tanzfläche ist giftig spiegelschwarz ausgelegt, die Wände sind dunkel und düster. Choristen und Tänzer sind  theaterschwarz eingekleidet. Der Tod ist in seinem knochigen Rippen-Kostüm kein Strahlemann. Aber er geht zumeist sehr zart mit dem Mädchen um, bedrängt es und entlässt es aus sanfter Umarmung wieder in seine Freiheit. Doch „sie“, die Kindfrau, tanzt in hellblauem Hemdchen und weißen Hosen, was sie von ihrer nachtdunklen Umgebung deutlich abhebt. Ihr Wesen scheint lebensbejahend, sie zelebriert auch in der Ausweglosigkeit kein permanentes „Memento mori“. Da sind Liebe, atemlose Leidenschaft, besinnungslose Rauschzustände. Nicht umsonst hat Markowitz dem Titel seiner Choreographie den Appell „Feiert das Leben!“ beigegeben.</p> <p>Ein kurzer Prolog zu Philipp Haags Musik „Geolyptikon“ eröffnet mit donnerndem Paukenschlag und tänzerischen Blitzen die Choreographie, wobei sich aus einem Gruppen-Knäuel ein Paar herauslöst, das später zu Boden fällt. Vom Theaterhimmel schwebt ein transparenter Kubus herab, der ein zentraler „Seelen“-Spielort des Tanzabends sein wird – kein Gefängnis, aber doch Hülle. Zur einsetzenden Requiem-Musik marschiert der Chor auf, bildet Impulsgeber und gleichzeitig einen voluminös tönenden Resonanzkörper für Tod und Mädchen, auch für freie, ausgelassene Ensemble-Tänze.</p> <p>Zum Introitus-“Exaudi“ deutet das Tanzpaar eine Hebefigur an, zum „Kyrie“ liegt das Mädchen regungslos an der Bühnenrampe, als der Tod erscheint. Das „Dies irae“ wird von wilden Wirbeltänzen begleitet, die sich beruhigen, als Solobass und Posaune das „Tuba mirum“ anstimmen. Im Federkostüm imitiert ein Tänzer das eckige Auf und Ab einer Seele, die sich in einen Vogel verwandelt hat. Quirlige Paare trumpfen lustvoll tanzend auf. Später, beim „Lacrimosa“, produziert sich der Tod über einem Leichenfeld. Schlussendlich präsentiert sich das Mädchen gleichsam in einer Apotheose aufrecht stehend in der lichthellen Bühnenmitte. Alle anderen, auch der Tod, treten zum klangsatt interpretierten „Lux aeterna“ respektvoll ins Dunkle zurück. Immer wieder gelingen Markowitz und seinem Ausstatter Philipp Contag-Lada Schrittfolgen und Bilder, die in umwegloser Kürze und Konzentration seelische Vorgänge anschaulich machen. Dazu züngeln und schlängeln im rätselhaftten Würfel-Schemen die strahlenden Video-Einblenden.</p> <p>Das Pforzheimer Mozart-Requiem ist ein Theater-Hybrid, der Synergie-Effekte freisetzt. Vielleicht gehört auch auf der Bühne edlen Mischwesen die Zukunft.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Mozart Requiem – Feiert das Leben!</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Theater-Hybrid</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Guido Markowitz</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-01-20T12:00:00Z">20.01.2018</time> </div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Crossover</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 21.01.2018 - 13:37</div> <div><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_mehr_pforzheim_mozartrequiem.jpg?itok=pukmrOK7" width="100" height="44" alt="Thumbnail" title="Guido Markowitz: Mozart Requiem – Feiert das Leben! " typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_mehr_pforzheim_mozartrequiem.jpg?itok=U0MGuDFB" width="1800" height="1200" alt="kk_mehr_pforzheim_mozartrequiem.jpg" title="kk_mehr_pforzheim_mozartrequiem.jpg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Theater Pforzheim</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 21 Jan 2018 12:37:31 +0000 Eckehard Uhlig 10451 at https://www.die-deutsche-buehne.de Euripides: Die Frauen von Troja (Der Untergang) https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/bilder-des-leides <span>Euripides: Die Frauen von Troja (Der Untergang)</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>Mi., 27.09.2017 - 13:15</span> <div><p>Die Männer kommen in Euripides Tragödie „Die Troerinnen“ nicht gut weg. Sie führen Krieg, töten und lassen sich totschlagen. Und die Frauen bleiben als Witwen, Bräute und Waisen im Elend zurück, werden von Siegern geschändet, wie Vieh verlost, versklavt oder in die Flucht getrieben. Das während des Peloponnesischen Krieges 415 v. Chr. in Athen uraufgeführte, als bitter ernste Warnung vor Kriegstreibern konzipierte Stück, das den (damals allen Griechen bekannten) Mythos vom Kampf um Troja aufgreift, ist nun am Pforzheimer Stadttheater in einer fulminanten Inszenierung von Hannes Hametner zu sehen – und zwar trotz der belassenen archaischen Struktur als unerhört heutiges Schauspiel.</p> <p>Als sprachmächtiger Gott Poseidon und eigentlicher Gründer Trojas kündet Jens Peter im Prolog vom Untergang seiner Stadt. Er präsentiert sich tuntig im blutroten Kleid – also auf der Seite der trojanischen Frauen stehend, erhöht im Bühnenhintergrund auf einer Ruinen-Mauer postiert. Dabei ist der Ton seines Berichts vom Schrecken und Jammer der Besiegten, die vor ihm als Kriegsopfer verstreut auf dem Bühnen-Schlachtfeld liegen, mehr ironisch aufgeladen als von weihevollem Pathos getragen.</p> <p>Dann beschwören in einer Abfolge von Klageszenen die gedemütigten Fürstinnen Trojas und der „Chor“ der Trojanerinnen, die ängstlich ihrer Verschleppung entgegensehen, ihr von den siegreichen Griechen zugeteiltes Los. Susanne Schäfer zelebriert als die alte Königin Hekabe, die dem listenreichen und verschlagenen Odysseus gehören soll, trotz ihrer verlumpten Sträflingskleidung und ihres geschorenen Schädels mit geradezu majestätischer Würde das Grauen des trojanischen Infernos. Konstanze Fischer gibt Hekabes verrückt gewordene Tochter Kassandra als visionäre Katastrophen-Künderin. Zur Nebenfrau Agamemnons erniedrigt, verstört sie mit aberwitziger Prophezeiung – auch die Griechen werden sterben – und mit sexistischer Anmache den abgesandten Schergen der Sieger. Mütterlich anrührend um ihren (und des gefallenen Hektor) kleinen Sohn besorgt, spielt Mira Huber Hekabes Schwiegertochter Andromache, die schändlich zur Sklavin des Achilles-Sohnes Neoptolemos ausbedungen wurde. Alle drei Darstellerinnen, nicht nur Hektors Gemahlin, die sich zusammen mit ihrem Kind durch Suizid den Zumutungen der Griechen entzieht, haben auf unterschiedlichste Weise das Zeug zur großen Tragödin. Heidrun Schweda ist eine großartig traurige, energisch durchdringende Chor-Führerin, die den gefangenen Frauen (Pforzheimer Bürgerinnen) selbst in aussichtsloser Lage Halt zu bieten vermag.</p> <p>Die Griechenfürsten, die in den Anklagen der Troerinnen ständig gewärtig sind, erscheinen (außer Menelaos) nicht in der Trauer-Handlung, sondern schicken für die schmutzige Sklaventreiber-Arbeit ihren Boten vor, den die Pforzheimer Inszenierung interessanterweise dreigeteilt hat: Markus Löchner ist die blutverschmierte brutale Variante des Thaltybios, Jens Peter (in Zweitrolle) mit weißer Unschulds-Paradeuniform der scheinbar mitleidige, nur Befehle ausführende Adjutant. Der dritte Thaltybios, Bernhard Meindl, zeigt Gewissen und erschießt sich am Ende.</p> <p>Mit dramaturgischem Gespür hat Regisseur Hametner die Helena-Menelaos-Szene ausgestaltet. Sie scheint aus den Bildern des Leidens herauszufallen, repräsentiert eine Gesellschaft heuchlerischer Opportunisten, die immer obsiegen und oben schwimmen. Sophie Lochmann stellt eine Helena der besonderen Art vor, eine verruchte Verführerin, eine Diva im silbrig glitzernden, durchsichtig hautengen Ballkleid, die alle Reize ihres gertenschlank schönen Körpers so betörend ausspielt, dass selbst Voyeure im Publikum auf ihre Kosten kommen. Obwohl von Hekabe als Hure gebrandmarkt und im einzigen großen Dialog des Stücks als Schuldige am Untergang Trojas überführt, verfällt Menelaos dem Charme seiner einstigen, von Paris aus Sparta nach Troja entführten Gattin erneut. Lars Fabian zeichnet den unwürdigen Spartaner-König als sebstgefällig-eitlen, oberflächlichen Larifari-Schnösel, der mit dem Champagner-Glas in der Hand im schicken schwarzen Party-Löwen-Anzug auf die Bühne stürmt. Er wird Helena nicht, wie zugesagt, töten, sondern als Sex-Objekt für sein Bett behalten.</p> <p>Die Ausstatter (Bühne Giovanni de Paulis, Kostüme Erika Landertinger) lassen durchaus Konzentrationslager-Reminiszenzen aufscheinen und sorgen unaufdringlich für aktuelles Kriegs-Ambiente. So wird Andromache in einem IS-Kämpfer-Pickup mit Pritschen-Abschussrampe auf die Bühne gekarrt, und über der kriegszerstörten Stadt kreist eine moderne Drohne. Pforzheim bietet „Die Troerinnen“ in der Übersetzung und Bearbeitung von Walter Jens mit dem Titel „Die Frauen von Troja (Der Untergang)“. Der rhetorisch versierte Übersetzer lässt Poseidon das letzte Wort. Er spricht vor der Kulisse einer im wabernden Bühnenfeuer vergehenden Stadt die Quintessenz aus: „Ihr Narren! Menschen, die ihr glaubt, man könnte Städte niederbrennen und aus Gräbern Wüsten machen, ohne selbst zugrund zu gehen.“ Sie werden alle daran verrecken, alle.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die Frauen von Troja (Der Untergang)</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Bilder des Leides</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Euripides</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-09-23T12:00:00Z">23.09.2017</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Hannes Hametner</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mi., 27.09.2017 - 13:15</div> <div><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/troja__stadtth.pf_konstanze_fischer____foto-sabine_haymann.jpg?itok=lJ_3HTiQ" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="nach Euripides: Die Frauen von Troja (Der Untergang)" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/troja__stadtth.pf_konstanze_fischer____foto-sabine_haymann.jpg?itok=t4ejWWzU" width="1800" height="1200" alt="troja__stadtth.pf_konstanze_fischer____foto-sabine_haymann.jpg" title="troja__stadtth.pf_konstanze_fischer____foto-sabine_haymann.jpg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sabine Haymann</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Konstanze Fischer in &quot;Die Frauen von Troja (Der Untergang)&quot; am Theater Pforzheim</div> </div> </div> </div> </div> Wed, 27 Sep 2017 11:15:07 +0000 Eckehard Uhlig 10356 at https://www.die-deutsche-buehne.de Guido Markowitz: Der Kuss https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/momente-sinnlicher-schoenheit <span>Guido Markowitz: Der Kuss</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>So., 29.01.2017 - 10:10</span> <div><p>Nicht die schlechteste Idee, im „Goldstadt-Jubiläumsjahr“ – Pforzheim begeht den 250sten Geburtstag seiner Schmuckindustrie – ein Ballett auf die Bühne des Stadttheaters zu bringen, das Gustav Klimts Bilder und insbesondere seine „goldene Periode“ dekorativ feiert. Denn Tanz und Malerei sind die beiden Künste, die der jeweils anderen, ohne viel Worte zu machen, Momente sinnlicher Schönheit schenken.</p> <p>Klimts Bildwerke beeindrucken mit dem verführerischen Zauber junger Frauen. Von der Darstellung seiner Figuren, Paare und Zyklen, den seinerzeit skandalträchtigen Wiener „Fakultätsbildern“ oder dem „Beethovenfries“ gehen kontrastreiche Bewegungsreize aus, die der Pforzheimer Ballettdirektor Guido Markowitz und sein Ausstatter Georg Meyer-Wiel in ihrer Choreographie aufnehmen und in Tanz verwandeln. In fließenden Linien und Schwingungen treten die zehn Tänzer/innen der kleinen, aber erstaunlich homogenen Compagnie einzeln, paarweise und zu dritt, oder als Quartett und Ensemble gleichsam aus Klimt-Gemälden und farbbunten Tapetenwänden heraus, zuweilen auch raffiniert gespiegelt in der jalousieartig gefächerten Bühnenrückwand.</p> <p>Der Reigen blühender, in goldfarbenem Licht gleißender Leiber, ihr Beben und erotisches Vibrieren wird tänzerisch phantasievoll ausgelebt – mit Wirbeln auf flachen Sohlen, bodengymnastischem Gleiten, Räder schlagen, gegenläufigem Kreiseln oder Körper-Girlanden. Vor schwarzgrau schlängelnden Bildfigurationen bewegen sich die Tänzer manchmal auch wie Schattenwesen im Strom des Vergessens. In den ersten beiden Teilen des zweistündigen Tanzabends entfaltet sich die locker gefügte Ballett-Erzählung episodenhaft und dennoch zielgerichtet auf ihren Höhepunkt zu. Zur Musik des Pforzheimer Komponisten Nigel Treherne („Askewmire revisited“ op. 39), die an Debussy erinnert, nimmt ein luftig schwarz kostümierter Faun Gestalt an. Aus dem tändelnden Kreis seiner Gespielen findet zu den spätromantischen Klängen von Franz Schrekers Kammersymphonie (1916) schließlich ein Paar in inniger Umarmung zusammen, dem berühmten, 1907 entstandenen Klimt-Gemälde „Kuß“ nachgestellt. In Klimt-Manier steht das scheinbar nackte Liebespaar im strahlenden Licht, sie kindlich verrucht mit langer, rotblonder Loreley-Haarpracht. Ein von Freunden herbeigetragenes Tuch hüllt die Beiden in Gold und heitere Farbmuster ein, auch rieseln Goldsterne vom Bühnenhimmel.</p> <p>Was spöttische Klimt-Kritiker, die wie Karl Kraus mit Kitsch-Verdikten nicht sparten, übersehen haben, ist die Bildtatsache, dass es eigentlich zur „goldenen Erlösung“ nicht kommt. Denn nur der Mann umfasst den Kopf des Mädchens besitzergreifend und setzt gierig zum Kuss an – sie dagegen wendet sich ab und hält ihren Mund geschlossen, ihre Hände scheinen verkrampft. Man kann also das Bildmotiv auch als totale Entfremdung der Geschlechter deuten. Folgerichtig zeichnet sich in Markowitz Ballett nach der Pause in rasanten Tanzsequenzen zur Musik von Sven Helbig (Pocketsymphonies, 2013) trotz wollüstig flunkernder Flirts das Scheitern der Beziehungen von Männern und Frauen ab. Auch die Trennung des küssenden Liebespaares ist nicht abzuwenden. Die Mädchen tanzen dabei in körperbetont engen, mit Klimt-Mustern bedruckten Schlangenhäuten. Die Jungs präsentieren sich in knielangen, goldfarben und schwarz gemusterten Shorts. </p> <p>Insgesamt ist das in Pforzheim uraufgeführte, von der Badischen Philharmonie Pforzheim (unter der Leitung von Mino Marani) musikalisch begleitete Tanzstück, das im letzten Teil auch mit witzigen Pointen an Struktur und Tempo gewinnt, nicht zuletzt wegen seiner schmuckreich-lustvollen Kostüm- und Bühnenausstattung eine Augenweide, ist kunstvolles Dekorations-Ballett.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Der Kuss</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Momente sinnlicher Schönheit</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Guido Markowitz</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-01-28T12:00:00Z">28.01.2017</time> </div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Mino Marani</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 29.01.2017 - 10:10</div> <div><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_tanz_pforzheim_kuss.jpg?itok=QqwzC7Gh" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Guido Markowitz: Der Kuss" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_tanz_pforzheim_kuss.jpg?itok=CS9hJ-9p" width="1800" height="1200" alt="Johannes Blattner und Evi van Wieren" title="Johannes Blattner und Evi van Wieren" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sabine Haymann</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Johannes Blattner und Evi van Wieren</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 29 Jan 2017 09:10:50 +0000 Eckehard Uhlig 10186 at https://www.die-deutsche-buehne.de Yannick Hahnel: Die bleichen Füchse https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/das-volk-ohne-spuren <span>Yannick Hahnel: Die bleichen Füchse</span> <span><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></span> <span>Sa., 04.06.2016 - 14:36</span> <div><p>Eigentlich müssten sie aufstehen, lautstark ihr, um es mit Stéphane Hessel zu sagen, „Indignez-vous!“ rufen. Allerdings nicht die Wutbürger und vermeintlichen Verteidiger des Abendlandes gegen Islam und Überfremdung. Nein, wovon Yannik Haenels radikaler Protestroman „Die bleichen Füchse“ (2014) erzählt, ist die Revolte der Entrechteten: der vergessenen Jugend in den Pariser Banlieues, den Kritikern eines zügellosen Kapitalismus, den ehrlichen Demokraten. Der Autor hat das vorauseilende Gegenmanifest zu Houellebecqs Untergangsvision „Unterwerfung“ geschrieben, in der in Frankreich ein Sharia-System errichtet wird, stark und emphatisch.</p> <p>Dass es eines Aufstandes der Aufrichtigen und Machtlosen gleichermaßen bedürfe, davon ist man am Pforzheimer Stadttheater überzeugt, wo Tom Gerber just in seiner Uraufführung Haenels Roman auf die Bühne bringt. Im Zentrum steht der am Tag der Hollande-Wahl aus seiner Wohnung herausgeworfene Arbeitslose Jean Deichel (Sergej Gößner). In seinem Renault übt er sich als Beobachter der Straße, verharrt anfangs in seiner Passivität, bis er, konfrontiert mit dem Schicksal der Flüchtlinge, mehr und mehr in eine Revolutionsbewegung hineingezogen wird, die am Ende weite Kreise des Bürgertums der französischen Hauptstadt erfasst.</p> <p>Wie fragil der Grund ist, auf dem der Westen sein Wohlstandsparadies gebaut hat, lässt sich bereits am hervorragenden Bühnenbild ablesen. Gelegen zwischen zwei Publikumsrängen, ist die Spielstätte mit Paletten ausgelegt. Und während der Protagonist über Leben und Welt nachdenkt, passiert um ihn herum allerhand: Migranten leeren Mülltonnen, Künstlergruppen schwadronieren trinkselig von Weltanklage-Performances, eine österreichische Kleinbürgerin brüllt durch den Fernsehapparat (den sie direkt auf dem Kopf trägt) ihren  Zorn über die Flüchtlingen heraus, und selbst Hitler ist in diesem vielstimmigen Chor als Karikatur präsent: Versehen mit einem ballonartigen Kopfaufsatz, auf dem der Bart und Seitenscheitel des Diktators durch schwarze Klebestreifen erkennbar werden, agitiert er gegen das bedrohliche Fremde. Er ist eben wieder da, erwartbar und verbraucht – viele dieser Bilder gelingen, manche sind banal, abgegriffen, unlustig oder bisweilen künstlich aufgeladen.</p> <p>Mit seinen großartigen Schauspielern, darunter in wechselnden Rollen Henning Kallweit, Tobias Bode, Antonia Schirmeister, Jula Zangger, sucht Gerber nach den Großerklärungen für eine aus dem Lot geratene Welt und verliert sich selbst in der eigenen Flut an Ideen, Installationen und Bezügen. Liest sich Haenels Roman trotz aller Reflexionspausen als stringentes Erweckungsbuch, mangelt es dieser Inszenierung deutlich an Konzentration. Immerhin fördert man die Integration. Auch das ist ja inzwischen ein Wert, den sich die politisch gern gesehene Kunst allenthalben auf die Fahnen schreiben darf: Indem in einer durchaus eindrucksvollen Szene Pforzheimer Bürger – stellvertretend für die Flüchtlinge, dem „Volk ohne Spuren“ – ihre Pässe in eine brennende Tonen werfen, formulieren sie ein klares Statement gegen Rassismus.</p> <p>Schade ist leider eines: Jene, die bei den letzten Landtagswahlen mit 24 Prozent AfD gewählt haben, waren sicherlich nicht anwesend. Wie übrigens genauso wenig, wenn man den Blick über das Publikum schweifen lässt, die 50 Prozent Migranten dieser Stadt. Weniger aus ästhetischen, dafür aber aus politischen Gründen bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt am Ende vielleicht doch noch auf die Menschen außerhalb der behüteten Theaterstätte ausstrahlen mag. Also, liebe Bürger und Künstler, empört euch: Am besten <em>auch</em> auf den Straßen!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die bleichen Füchse</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Das Volk ohne Spuren</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Yannick Hahnel</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2016-06-03T12:00:00Z">03.06.2016</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Tom Gerber</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 04.06.2016 - 14:36</div> <div><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_schau_pforzheim_fuechse.jpg?itok=sUxJe2UQ" width="100" height="44" alt="Thumbnail" title="Yannick Hahnel: Die bleichen Füchse" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_schau_pforzheim_fuechse.jpg?itok=yDmpMqd1" width="1800" height="1200" alt="Ensembleszene" title="Ensembleszene" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sabine Haymann/Theater Pforzheim</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Ensembleszene</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 04 Jun 2016 12:36:27 +0000 Björn Hayer 10027 at https://www.die-deutsche-buehne.de Guido Markowitz: Heroes https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/david-bowies-lebensparty <span>Guido Markowitz: Heroes</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>Mo., 08.02.2016 - 20:28</span> <div><p>Aufgeregte David Bowie-Grooves, über denen ätherische Stimmfetzen in griffige Soul-Songs einmünden oder zu Rock und trippigen Breakbeats daherkommen, werden als Bühnenmusik eingespielt. Wie man dazu auf der dunstig vernebelten Bühne, manchmal auch in strahlenden Spotlights hoch ambivalent und ein bisschen theatralisch verrückt tanzen kann, demonstriert die Pforzheimer Compagnie im Tanzstück „Heroes / The Lovers“ von Guido Markowitz, dem neuen Ballett-Direktor am Pforzheimer Stadttheater. Die Uraufführung des schon vor einem Jahr konzipierten Bowie-Balletts hat nach dem Tod des Pop-Stars unbeabsichtigte Aktualität.</p> <p>Im ersten Durchgang der zweiteiligen Choreographie sind – ausgehend von Bowies gesundheitlichem Zusammenbruch im Jahr 2004 – in zeitlich rückwärtiger Abfolge die exzentrischen Lebensexperimente des Crossover-Musikers zu entsprechenden Musik-Titeln assoziativ in markant bebildernde Bewegungs-Szenarien umgesetzt, wobei Bowie (als zart zerbrechlicher Künstler von Johannes Blattner getanzt) von seinem brutal und blutig agierenden „Schatten“ (mit tänzerischer Hochspannung Tu Ngoc Hoang) begleitet wird. Die Ausgestaltung des von Markowitz noch eingefügten „Lazarus“-Songs aus Bowies Vermächtnis-Album „Blackstars“ erinnert (vorausahnend?) fatal an das letzte, todessüchtige Video, in dem der Überkünstler („I'm in heaven“) nicht mehr von dieser Welt zu sein scheint.</p> <p>Kabinettstücke modernen Tanzes sind die wild ausschweifenden Szenen mit Bowies Exfrau Angela (Jura Wanga), die gleichsam aus ihren Yellowpress-Memoiren „Backstage Passes“ zitiert und auch von narzisstischen Selbstzweifel-Attacken ihres Mannes berichtet. Solistisch hinreißend tanzt Daniel Lenz, der im schwarzen Anzug als androgyn schlanker Bowie-“Jüngling“ zu „Tutti Frutti“ (von Little Richard) eckig-geschmeidig einen Wackelschieber abrockt. Zu „China Girl“ hängt Giulia Cenni als Bowie-Gespielin an zwei vom Bühnenhimmel herabfallenden roten Schals und zeigt eine akrobatisch verführerische Bewegungs-Show. Nicht zuletzt sind Kunstfigur „Ziggy Stardust“ (Martina De Dominicis) und „Iggy Pop“ (Edoardo Novelli) fürs gesunde Kranksein auf Bowies Lebensparty zu Gast.</p> <p>Der zweite, „The Lovers“ überschriebene Teil der Markowitz-Inszenierung ist Bowies Berliner Jahren in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts gewidmet, die er zusammen mit Musiker-Freund Brian Eno verbrachte und in denen seine „Heroes“-Trilogie entstanden ist. Als Musik verwendet die Choreographie sinnfälliger Weise die von der Badischen Philharmonie Pforzheim unter Kapellmeister Mino Marani sorgfältig interpretierte Symphony No.4 „Heroes“ von Philipp Glass, dem Meister der Minimal music. In ihr werden Bowies Gesang und Enos Elektronik-Sound von erstaunlich klangschönen Streicher-, Bläser und Vibraphon-Harmonien ersetzt, so dass man die Song-Melodie kaum noch erkennt. Dazu tanzen im Schatten der kulissenhaft auf der Bühne angedeuteten Berliner Mauer (Ausstattung Philipp Contag-Lada) mindestens ebenso schön „die Helden“ – Liebespaare, die sich auch angesichts des trennenden Monster-Bauwerks nicht von ihrer Sehnsucht abhalten lassen. Ihre Tänze sind mal verspielt kindlich, mal von problematischen Beziehungsmomenten bestimmt. Stets aber intensiv sinnlich und körperbetont, ohne anzügliche Bilder entstehen zu lassen.</p> <p>Umrahmt werden die vielgestaltigen Pas de deux' von Ensembles, Tänzern, die in dunkelroten langen Kleidern an schwankenden Querstangen hängen, die ihrerseits von Stahlseilen gehalten werden. Zum furiosen Sinfonie-Finale werden die Akteure hochgezogen und fallen schlussendlich auf die Bühnenbretter herab. In Pforzheim gibt es also ein neues Ballett, das züngelt, glüht und funkelt. Mehr davon!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Heroes</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>David Bowies Lebensparty</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Guido Markowitz</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2016-02-06T12:00:00Z">06.02.2016</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Komponist</div> <div>David Bowie/Philip Glass</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 08.02.2016 - 20:28</div> <div><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_tanz_pforzheim_heroes.jpg?itok=ENSH-ggr" width="100" height="44" alt="Thumbnail" title="Guido Markowitz: Heroes" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_tanz_pforzheim_heroes.jpg?itok=EYJXXj8Q" width="1800" height="1200" alt="Szene aus &quot;Heroes&quot;" title="Szene aus &quot;Heroes&quot;" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Theater Pforzheim</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Szene aus &quot;Heroes&quot;</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 08 Feb 2016 19:28:36 +0000 Eckehard Uhlig 9922 at https://www.die-deutsche-buehne.de Guido Markowitz: Heimatwelten https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/tanztheatralik-der-schlosskirche <span>Guido Markowitz: Heimatwelten</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>Fr., 06.11.2015 - 13:08</span> <div><p>Flüchtlinge und deren (verlorene oder gesuchte) Heimat: das Thema brennt unter den Nägeln. Alle haben dazu etwas zu sagen, vor allem die Künstler, auch das frisch formierte Pforzheimer Stadttheater-Ballett.</p> <p>In seinem ersten Ballettabend „Heimatwelten“, mit dem sich Pforzheims neuer Ballettchef Guido Markowitz und das elfköpfige Ensemble in der Schlosskirche vorstellen, geht es um impulsive Äußerungen ringender, leidender Menschen. Zur Begrüßung des Publikums turnen mit Lampen bewaffnete Tanzakrobaten auf dem Fassaden-Gerüst über dem Eingang zur Schlosskirche herum, deren Äußeres zur Zeit instandgesetzt wird. Im Kirchen-Inneren, das abgesehen von beleuchteten, wechselnd improvisierten Tanzpodien düster und dunkel bleibt, hängen farbige Tücher wie abgelegte Kleidung über den Bänken. Die künstlichen Geräuschkulissen könnten von überladenen Schrott-Barkassen stammen, die sich mit Flüchtlingen durch Meereswogen kämpfen. Die den Tänzen zugrunde gelegte elektronische, an Weltmusik erinnernde Klang-Collage ist von endlosen Text-Rezitationen überlagert.<br />Vom Chorschranken-Lettner hoch oben agieren Sprecher, was wie eine Verkündigung wirkt. Dann ziehen die Tänzer in die Kirche ein, drei von ihnen bahnen als Vortänzer den Weg, hinter ihnen folgt flüsternd das Gros des Ensembles. Vor dem Altar produziert sich ein Tanzpaar mit allerhand Drehwürmern und verschraubten Figurationen, Hebern und Abwürfen, danach mühen sich vier weitere Paare mit Geschrei in babylonischer Sprachverwirrung. Jemand singt ein zärtliches Lied. Manchmal tragen die Tänzer ihre Partnerinnen wie Rucksäcke auf ihrem Rücken, bilden Kolonnen. Zweikämpfe brechen aus, manche Akteure verlieren sich in wild zuckendem Bewegungsrausch, der von zeitlupenhaft zerdehnten Gesten abgelöst wird. Irgendetwas gerät aus den Fugen: Kriegslärm mit Getöse und Donner, offenbar von Brettern, die auf Steinböden knallen oder von grellbunten kleinen, aufeinander geschlagenen Requistiten-Tischchen erzeugt. Der Tanzfluss verdichtet sich zu geballten Spannungen in der Wucht erdgebundener, elementarer Körper-Schwünge. Angstzustände führen Gruppen eng zusammen, Paare fuchteln hilflos mit ihren Armen. Sprechende Handlungen und Konstellationen entfalten sich im tänzerischen Rhythmus.</p> <p>Zum Abschluss führen die Tänzer ihr Publikum durch die Lettner-Glastüren in den Stiftschor der Pforzheimer Schlosskirche zu den Ruhestätten der badischen Markgrafen und Großherzöge. Zu Füßen ihrer Stein-Denkmäler haben die Protagonisten, die sich an der Chor-Rückwand versammeln, brennende rote Kerzen aufgestellt, die auf die Bodenfläche symbolische Muster zeichnen. Hier mündet der einstündige Abend endgültig in ein tanztheatralisches Mysterium ein, das die zahlreich gekommenen Besucher nachhaltig beeindruckt.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Heimatwelten</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Tanztheatralik in der Schlosskirche</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Guido Markowitz</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-11-05T12:00:00Z">05.11.2015</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 06.11.2015 - 13:08</div> <div><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/thpf_heimatwelten_bild4_ensemble.jpg?itok=yjjtJiLG" width="100" height="68" alt="Thumbnail" title="Guido Markowitz: Heimatwelten" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/thpf_heimatwelten_bild4_ensemble.jpg?itok=6VkDc3B7" width="1800" height="1200" alt="Tanz in der Schlosskirche Pforzheim: &quot;Heimatwelten&quot;" title="Tanz in der Schlosskirche Pforzheim: &quot;Heimatwelten&quot;" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Theater Pforzheim</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Tanz in der Schlosskirche Pforzheim: &quot;Heimatwelten&quot;</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 06 Nov 2015 12:08:22 +0000 Eckehard Uhlig 9856 at https://www.die-deutsche-buehne.de Giuseppe Verdi: Nabucco https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/gefuehliges-gemeinschaftserlebnis <span>Giuseppe Verdi: Nabucco</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>Mo., 21.09.2015 - 10:04</span> <div><p>Wohin geht die Reise mit Thomas Münstermann? Jedenfalls versteht es der frisch gebackene Intendant am Pforzheimer Stadttheater, die Eröffnung seiner ersten Spielzeit in der badenwürttembergischen Schmuck- und Goldstadt als „bürgerbeteiligtes“ Ereignis zu inszenieren. In Gemeinschaftsregie mit seinen Spartendirektoren Guido Markowitz (Ballett), Alexander May (Schauspiel) und Caroline Stolz (Oper) bringt er Giuseppe Verdis „Nabucco“ zur Aufführung, ein Musikdrama, das seit seiner Uraufführung 1842 an der Mailänder Scala nicht nur in Italien Furore machte – vor allem wegen des Gefangenenchors „an den Ufern des Euphrat“, wo die Juden als Sklaven Babylons zur Arbeit gezwungen werden.</p> <p>In Pforzheim machen nicht nur die „zuständigen“ Theaterensembles, sondern Sangeslustige aus dem ganzen Haus, ja sogar engagierte Chor- und Einzelsänger aus der Region beim „Gefangenenchor“-Event mit, bilden einen gewaltigen „Bürgerchor“. Der strömt, nachdem der „normale“ Durchgang mit Chor, Extrachor und Kinderchor pianissimo verdämmert und der jubelnde Publikumsapplaus abgeflaut ist, auf die Bühne. An der Scala hatten rasende Zuhörer erstmals 1986 bei Riccardo Mutis Einstand ein spontanes „bis!“ – wie die italienischen Opernfreunde Wiederholungen nennen – erzwungen, was Theatergeschichte geschrieben hat. Zusammen mit seiner Chorleiterin Salome Tendies hat Münstermann dagegen alles genau durchgeplant. Zuerst sprechen Schauspieler an der Rampe in allerhand Sprachen den Text des Chorliedes (“Va, pensiero, sull'ali dorate“ / Flieg, Gedanke, auf goldenen Flügeln), so dass es zu einer babylonischen Sprachverwirrung kommt. Dann geht das Licht im Zuschauerraum an, die nunmehr 180 Choristen verteilen sich über die seitlich zu den Rängen aufsteigenden Gänge. Untermalt vom kaum noch hörbaren Orchester-Humbaba intonieren die Sängermassen den in Italien zur heimlichen Nationalhymne avancierten Wunschkonzert-Hit. Ein ausladend-getragener, bombastischer Raumklang entfaltet sich, wird zum anrührend-gefühligen Gemeinschaftserlebnis.</p> <p>Dabei ist die Gesamtinszenierung von durchwachsener Qualität. Generalmusikdirektor Markus Huber sorgt zwar am Pult seiner Badischen Philharmonie für Italianità ohne rohes Geschmetter. Doch schon in der Ouvertüre zeigen sich die Grenzen des Orchesters: ein Spannungsbogen fehlt, die Musik zerfällt in einzelne Teile. Und das Finale des ersten Aktes gerät zum schrill lärmenden Tableau. Bühnenbildner Dirk Steffen Göpfert präsentiert anfangs eine mit schwarzen Wandelementen ausgekleidete Tempelhalle, an deren Rückwand Zacharias, der Hohepriester der Juden, statuarisch posiert, während die um ihn gruppierten, mit übergroßen Gesetzesbüchern hantierenden jüdischen Jungfrauen, Soldaten und Leviten in zunächst historisierenden Kostümen (Ruth Groß) ihren Leidens-Chor anstimmen. Nach seinem Sieg über Israel zieht Babyloniens König Nabucco hoch zu Ross, in Pforzheim auf einem komischen, mit Tierskelett-Teilen dekorierten Stahlrohrgestell, in den zusammenbrechenden Judentempel ein. Alle folgenden Szenen sind ziemlich eintönig von fahrbaren Lager-Hochregalen oder Baugerüsten umstellt, die mit Secondhand-Klamotten aus DRK-Sammlungen für Flüchtlinge behängt sind. Damit kleiden sich die versklavten Juden.</p> <p>Glanzlichter setzen neue Vokalsolisten des Ensembles, da hat Pforzheim gut eingekauft. Ivan Krutikov singt als Nabucco mit leuchtend-klangschönem Bariton. Je länger der Abend voranschreitet, desto besser findet er in seine Rolle. Dem Wahnsinn verfallen erklärt er sich zum Gott, eine Hybris, die ein durchschlagender Rotlichtblitz bestraft. Der gleichzeitige Orchesterblitz bleibt allerdings fahl. Des Herrschers Wahnsinns-Outfit mit Zottelhaar und Haarhörnchen gleicht einem wild gewordenen Waldschrat. An die Spitze einer durch Intrigen vergifteten Dreiecks-Liebesgeschichte setzt sich die machtgeile Abigail, Bastard-Tochter Nabuccos. Anna-Maria Kalesidis bewältigt die als Killerpartie verschriene Rolle mit Bravour. Ihr Mezzosopran kommt besonders gut in den Kantilenen ihrer Auftritte zur Geltung. Ihre Belcanto-Szene, das melancholische Erinnerungslied an bessere Zeiten („Anch'io dischiuso un giorno“ / Auch ich öffnete einst mein Herz) ist große Oper. In höchster Erregung ausgeformte Koloraturen meistert die Solistin mit Geschick und ist eine Sänger-Darstellerin, die rasen, toben und Rache schreien kann. Als legale Nabucco-Tochter Fenena, die wie Abigail den jüdischen Feldherrn Ismael liebt und ihm zuliebe zum jüdischen Glauben übertritt, agiert die Sopranistin Danielle Rohr zart und bescheiden. Kwonsoo Jeon gibt Ismael mit allzu forciertem Tenor. Aleksandar Stefanoski als Zacharias wirkt mit Bühnenpräsenz als tröstende Autorität der Juden und singt mit sonorem Bass, der allerdings in ganz tiefen Lagen seine Mühe hat.</p> <p>Die augenscheinliche Anstrengung, mit der das Pforzheimer Theater die Produktion stemmt, verdient Respekt. Manche Regisseure machen um „Nabucco“ einen großen Bogen – wegen der verwickelten Handlung und des zwielichtigen Happyends, wegen des enormen Personenaufwands und nicht zuletzt, weil sie der „Gefangenenchor“-Schlager nervt. Aber Verdis Opern-Genieblitz findet immer wieder begeisterte Theatermacher, auch in Pforzheim.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Nabucco</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Gefühliges Gemeinschaftserlebnis</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Giuseppe Verdi</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-09-18T12:00:00Z">18.09.2015</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Thomas Münstermann, Guido Markowitz, Alexander May, Caroline Stolz</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Markus Huber</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 21.09.2015 - 10:04</div> <div><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_mt_pforzheim_nabucco.jpg?itok=DMmuyM0H" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Giuseppe Verdi: Nabucco" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_mt_pforzheim_nabucco.jpg?itok=gGZ2Tt3f" width="1800" height="1200" alt="&quot;Nabucco&quot; am Theater Pforzheim" title="&quot;Nabucco&quot; am Theater Pforzheim" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sabine Haymann</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Nabucco&quot; am Theater Pforzheim. Chor, Extrachor und Kinderchor</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 21 Sep 2015 08:04:53 +0000 Eckehard Uhlig 9814 at https://www.die-deutsche-buehne.de James Sutherland: Sacre https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/erzaehlung-vom-ursprung-aller-dinge <span>James Sutherland: Sacre</span> <span><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></span> <span>Mo., 02.02.2015 - 09:49</span> <div><p>Skandalträchtig – wie 1913 Nijinskis und Stawinskys mit allen Konventionen brechende Pariser Uraufführung – ist James Sutherlands Version des Ballets Russes-Klassikers „Le sacre du printemps“ gewiss nicht. Ganz im Gegenteil: In Pforzheim gab es überbordenden Premiere-Jubel für eine Choreographie, die 70 Minuten Spannung und mitreißende, Rhythmus und Klang der Musik punktgenau umsetzende Szenen bietet. Und das in origineller, von Erfindungskraft durchdrungener Tanzsprache mit einer neuen Struktur, die – ohne die Tradition der zahlreichen Interpretationen ganz zu verleugnen – niemanden kopiert.</p> <p>Natürlich ist auch Sutherlands „Sacre“ eine radikale Abkehr vom romantischen Handlungs-Ballett, obwohl ein archaischer Mythos erzählt wird. Das in Nebeldüsternis zu Insekten- und Vogelgezirpe aufdämmernde Bühnen-Ritual zeigt freilich nicht mehr die Frühlings- und Fruchtbarkeits-Feier, der eine sich zu Tode tanzende Jungfrau geopfert wird, sondern feiert den Urstoff aller Dinge, Erde und Wasser. Aus dem Wasser kommt das Leben, seine Urgewalt nimmt es wieder. Am Ende von Sutherlands Tanzvision kriechen die Akteure erdverschmiert wie Lurche auf die unter Wasser gesetzte Vorderbühne in ihr feuchtes Element zurück, von Meeres-Wogen überrollt, die per Video auf die Bühnenwände projiziert werden. In Umkehr des Nijinski-Librettos überlebt gerade jenes Mädchen, das sich in einem alle Kräfte verzehrenden, erdverhafteten fulminanten Solotanz (Nozomi Matsuoka) schlussendlich triumphierend gegen den Untergang stemmt.</p> <p>Nicht nur die digital eingespielte Musik gliedert den Tanzabend, der im Übereinandergleiten von minutiös ausgearbeiteten Soli, Duetten und Gruppenszenen an die Überblendungstechnik von Filmen erinnert. Im ersten Teil ereignet sich zu Percussionsklängen von David Lang (Anvil Chorus) und Julia Wolfe (Lick) teils in Licht-Kegeln, teils im fußhohen Wasser ein brüchig gefügter Schöpfungsakt. Im zweiten zu Stücken aus Arvo Pärts „Miserere“ und „Tabula rasa“ überwältigt die Tänzer erotisch grundierte Leidenschaft. Klappstühle, auf denen sitzend agiert wird, symbolisieren ihre allmähliche Domestikation. Man räkelt und streckt sich, ein ganz in Schwarz gekleideter Protagonist (Tu Ngoc Hoang) spielt mit dem spritzenden Nass, sprüht herrlich vital tanzend vor wilder Lebensfreude.</p> <p>Der umfangreiche letzte Abschnitt des Sutherland-Tanzstücks zu Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“ (in einer noch nicht veröffentlichten Aufnahme der Gruppe MusicaAeterna) gleicht einer Apotheose der Vergänglichkeit. Alle Tänzer tragen hautfarbene Underwear, die sie fast nackt erscheinen lässt. Sie stampfen Rhythmusschläge in den Boden hinein, ohne dabei plump zu wirken, sondern bleiben locker-gelenkig, wirbeln temperamentvoll, hüpfeln breitbeinig, zelebrieren mit erhobenen Armen den römischen Feldherrengruß, drehen ruckartig nach rechts und links ihre Oberkörper, bilden rücklings gebeugt Körperbrücken ins Wasser, verlieren sich in einer fedrig spinnenbeinigen Fauna-Welt.</p> <p>Die Pforzheimer „Sacre“-Aufführung ist keine Selbstüberschätzung einer kleinen Ballett-Compagnie, sondern der gelungene Coup ihres nach dieser Spielzeit wegen Intendanzwechsels abtretenden Chefs.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Sacre</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Erzählung vom Ursprung aller Dinge</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>James Sutherland</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-01-30T12:00:00Z">30.01.2015</time> </div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/610" hreflang="de">Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1946" hreflang="de">Theater Pforzheim</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Komponist</div> <div>Bang On A Can, Arvo Pärt und Igor Strawinsky</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 02.02.2015 - 09:49</div> <div><span lang="" about="/user/56" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Eckehard Uhlig</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/thpf_sacre_bild7_hoang.jpg?itok=RmftVnJi" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="James Sutherland: Sacre" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/thpf_sacre_bild7_hoang.jpg?itok=KIZ0PRSd" width="1800" height="1200" alt="James Sutherland &quot;Sacre&quot; am Theater Pforzheim" title="James Sutherland &quot;Sacre&quot; am Theater Pforzheim" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sabine Haymann</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>James Sutherland &quot;Sacre&quot; am Theater Pforzheim. Tu Ngoc Hoang</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 02 Feb 2015 08:49:43 +0000 Eckehard Uhlig 9648 at https://www.die-deutsche-buehne.de