Kampnagel https://www.die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/1575 de Chilly Gonzales / Adam Traynor: The Shadow https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/schattenseite <span>Chilly Gonzales / Adam Traynor: The Shadow</span> <span><span lang="" about="/user/168" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Tim Sandweg</span></span> <span>Do., 07.08.2014 - 11:53</span> <div><p>August in Hamburg, Zeit fürs Internationale Sommerfestival auf Kampnagel. Draußen im Avant-Garten wird dieses Mal bei nullprozentiger Regenwahrscheinlichkeit das dreiwöchige Programm mit Sekt und Reden eingeleitet. Drinnen nehmen sich wenig später in der prominent besetzten Festivaleröffnungs-Premiere „The Shadow“, einer Koproduktion mit dem Schauspiel Köln, wo die Premiere am 11. September sein wird, der Komponist und Musiker Chilly Gonzales und der Regisseur Adam Traynor Hans Christian Andersens wenig sonniges Märchen vor. Ein kurzer Text, in dem sich der dänische Dichter und Weltenbummler die dunklen Abgründe und Unverständnisse der Künstlerexistenz von der Seele schreibt und den titelgebenden Schatten von dessen Herren trennt. Der Schatten, auf der Bühne bereits vor der Entzweiung ein recht asynchrones Exemplar, entwickelt schnell unbändige Freuden an der eigenen Menschwerdung, nachdem er der Poesie begegnet ist. Dank seines mephistophelischen Einschlags kommt er schnell zu Kleidung, Geld und Ruhm, schaut schließlich beim alten schattenlosen Herrn vorbei, der gerade mit seiner Schreibfeder Gassi geht, und nimmt ihn mit auf Kur-Urlaub. </p> <p>Traynors und Gonzales Fassung hält sich recht nah an Andersens Märchen und zeichnet die wesentlichen Stationen nach. Ästhetischer Fixpunkt dieser Theaterversion ist unübersehbar Andersen Scherenschnitt-Manie und der Stummfilm des expressionistischen Zeitalters. Chilly Gonzales hat dafür einen perfekten Soundtrack geschaffen, den er am Klavier gemeinsam mit dem Kaiser Quartett &amp; Friends in einem Zoetrop zentral in der Bühnenmitte thronend, zum Klingen bringt. Oszillierend zwischen zurückhaltender Untermalung, energetischen Akzentuierungen und motivischen Verschränkungen, zwischen Jazz, Filmmusikklassik und Gonzales' Solo Piano Eins und Zwei trifft die Musik so inklusive ironischem Dancebreak im Spa-Land und bedrohlichem Walzer den idealen Grat zwischen Hintergrundfolie, Unterstützung der Handlung und eigenständigem Werk. </p> <p>Vor und hinter zwei Leinwänden, für die Bühne zeichnet Jens Kilian verantwortlich, sowie als weißgesichtige Schattengestalten agiert das vierköpfige Ensemble (Niklas Kohrt, Melanie Kretschmann, Sabine Perry und Philipp Plessmann) plus die kleine Statistencrew, stilsicher in Gehröcke gekleidet von Bengt Angelo Jensens Modelabel Herr von Eden. Es reist die Münder und Augen weit auf, wird von den Leinwandtexttafeln synchronisiert, ist mal im Schatten, dann wieder als Schatten zu sehen und gestikuliert wild über die Bühne. Traynors Bilder, die unter Beratung des Schattenkünstlers Philippe Beau entstanden sind, schaffen es aber trotz in sich geschlossener stilistischer Strenge leider nicht, der Musik etwas gleichermaßen kraftvoll-präzises entgegenzusetzen, bleiben erstaunlich brav und weit hinter der Eindringlichkeit von Murnau, Wiene, Lang, hinter der ästhetischen Brillanz, die Schattenspiel haben könnte, und hinter der poetischen Tiefe der Textvorlage zurück. </p> <p>Und auch die gedanklichen Ansätze, die der Regisseur im Programmfaltblatt äußert, unter anderem dass im technologischen Zeitalter Doppelgänger vielleicht anders als in der Romantik gedacht werden müssten oder dass Andersen eine besondere Leidenschaft für die Geistermaschine des Fotoapparats entwickelte, spielen auf der Bühne kaum eine Rolle. Als singulären Querverweis bekommt die Königstochter, die der ehemalige Schatten schlussendlich, konterkariert durch eine Art Trauermarsch, heiraten wird, einen Fotoapparat in die Hand, durch den blickend, sie „viel zu viel sehen“ kann. Vielleicht könnte sie ihre Augen kurz schließen. Dann hörte sie nämlich nur noch die Musik und damit die romantische Untergangsstimmung, den expressionistischen Grusel. Am Ende steht Gonzales vom Flügel auf und intoniert auf einer Triola die letzten düsteren Akkorde. Ein Hauch der Schattenseite weht durch den Raum.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>The Shadow</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Schattenseite</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Chilly Gonzales / Adam Traynor</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2014-08-06T12:00:00Z">06.08.2014</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Adam Traynor</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/608" hreflang="de">Hamburg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1575" hreflang="de">Kampnagel</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Crossover</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Do., 07.08.2014 - 11:53</div> <div><span lang="" about="/user/168" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Tim Sandweg</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_c_kampnagel_shadow.jpg?itok=g6FGPoe_" width="100" height="68" alt="Thumbnail" title="Chilly Gonzales / Adam Traynor: The Shadow" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_c_kampnagel_shadow.jpg?itok=wB2CuBZf" width="1800" height="1200" alt="Gestalten im Schattenspiel auf Kampnagel" title="Gestalten im Schattenspiel auf Kampnagel" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thomas Aurin</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Gestalten im Schattenspiel auf Kampnagel</div> </div> </div> </div> </div> Thu, 07 Aug 2014 09:53:13 +0000 Tim Sandweg 9502 at https://www.die-deutsche-buehne.de Kommando Himmelfahrt: Paradies Lost https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/satans-night-show <span>Kommando Himmelfahrt: Paradies Lost</span> <span><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></span> <span>Di., 10.06.2014 - 13:44</span> <div><p>Die von dem Regisseur Thomas Fiedler und dem Komponisten Jan Dvorak initiierte und geleitete Gruppe „Theater Himmelfahrt“ beschäftigt sich mit der theatralischen Erforschung von politischen und wissenschaftlichen Utopien. Da passt Miltons 1667 verfasstes Versepos scheinbar schlecht ins Bild. Es erzählt von Luzifers Vertreibung aus dem Himmel, seiner Teufel-Werdung, seinem Hass, seinen Rache-Fantasien. Und wie er ein Ziel findet, im Garten Eden, bei den ersten Menschen. Und wie er Erfolg hat, als Schlange. Und wie ihm der auch nicht hilft.</p> <p>Dvorak und Fiedler beschreiben ihre 75-minütige Performance als Reise in die Urgeschichte der Rebellion. Sie erforschen Ursachen, Sinn, Notwendigkeit und Berechtigung. Ihr Transportmittel ist die persönliche Tragödie des gefallenen Engels. Sarah Sandeh gibt ihn freundlich, höflich, geradezu spritzend vor Empathie, als fast privat charmanter Conferencier in eigener Sache. Diese Haltung, diese Bescheidenheit wirkt nie künstlich, wird aber an wenigen Stellen deutlich ironisiert. Faszinierend ist, wie Sandeh mit Miltons Text umgeht. Anstelle der handwerklichen Brillanz des Großschauspielers bietet sie eine Kombination aus fast wütendem Aneignungswillen, selbstgenügsamer Wurschtigkeit und tiefem Respekt vor dem Sprachkunstwerk an. </p> <p>Die gewählte theatralische Form ist die des Oratoriums. Im Hintergrund der leeren, nachtschwarzen Kampnagel-Bühne sitzt die vierköpfige Band. Vorne stehen zehn Mikrofone für den „Männerchor aus dem Umfeld der 68er“. Die Herren – Durchschnittsalter 66 – tragen dunkel und sehen ansonsten genauso aus, wie man sich gesund in die Jahre gekommene 68er vorstellt. Sie bewegen sich auch so – authentisch kopfgesteuert, so individuell wie linkisch. Sie singen auf Miltons Originaltexte komponierte Lieder. Sie sind Äpfel haltend der Baum der Erkenntnis. Und sie sind Satans stumme Gesprächspartner. Im einseitigen Dialog mit ihnen entwickelt er sein Rebellionskonzept. Es geht nicht ums Gewinnen, kann es ja gar nicht gehen. Gegen Gott kann man nicht gewinnen. Es geht um kleine Schritte, um Bewusstsein der Fremdsteuerung, um das wachsende Bedürfnis, sich einer „Harten Freiheit“ aussetzen zu wollen. Ein – brandaktuelles! - Ziel, das Satan selber nicht erreichen kann. Zu stark ist sein Hass. </p> <p>Der kurze Abend hat keine Längen, trotz der atmosphärisch starken, aber beliebig wirkenden Videos von Carl-John Hoffmann. Er lebt von Thomas Fiedlers puristischer, fast rotzig aufs Wesentliche konzentrierter Einrichtung, von Jan Dvoraks mal rockiger, mal psychedelischer Musik, von Charme und Einsatz der zehn Laien, von Sarah Sandehs verschämt eitler Uneitelkeit. Von Miltons überraschend frischem Text. Und von sich wie von selbst ereignendem abgründigem Humor. Wenn ein Teufel in Gestalt einer jungen Frau auf offener Bühne zehn Alt-68er zur Rebellion aufstacheln will, ist das auch und vor allem – komisch.</p> <p>„Paradise Lost“ erreicht nicht die Stringenz und sinnliche Kraft des Vorgängers „Leviathan“. Aber als so ernsthafte wie originelle Anleitung zum Nachdenken über uns und alles hebt sich das Projekt sehr angenehm aus den unzähligen Dekonstruktionen und Anverwandlungen epischer und lyrischer Texte heraus, die in den letzten Jahren die Bühnen überschwemmt haben.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Paradies Lost</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Satans Night Show</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Kommando Himmelfahrt</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2014-06-09T12:00:00Z">09.06.2014</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Kommando Himmelfahrt</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/608" hreflang="de">Hamburg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1575" hreflang="de">Kampnagel</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Crossover</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Di., 10.06.2014 - 13:44</div> <div><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_c_kampnagel_paradise.jpg?itok=5z8e9lkQ" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Kommando Himmelfahrt: Paradise Lost" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_c_kampnagel_paradise.jpg?itok=H1OQVlUP" width="1800" height="1200" alt="&quot;Paradise Lost&quot; vom Kommando Himmelfahrt auf Kampnagel" title="&quot;Paradise Lost&quot; vom Kommando Himmelfahrt auf Kampnagel" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Julia Kneuse</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Paradise Lost&quot; vom Kommando Himmelfahrt auf Kampnagel</div> </div> </div> </div> </div> Tue, 10 Jun 2014 11:44:17 +0000 Andreas Falentin 9456 at https://www.die-deutsche-buehne.de