Geburtstagsbegegnung: Wagner trifft Verdi (1)

 „Dein Wille geschehe, solange ich Leben in mir habe und Dir sagen kann, wie sehr ich Dich liebe“ schrieb sie im Januar 1853 aus Livorno ihrem „mago“, ihrem „Zauberer“, den sie bis an ihr Lebensende verehrte und bewunderte: Giuseppina Strepponi an Giuseppe Verdi. Dabei war die 1815 geborene Organistentochter und erste Belcanto-Preisträgerin des Mailänder Konservatoriums in den späteren 30er Jahren selbst ein Star. Rossinis „Mathilde von Schabran“, Adalgisa in Bellinis „Norma“ und vor allem „Sonnambula“ waren ihre Paraderollen, mit denen sie sogar in Wien Triumphe feierte.

1842 wurde beider Schicksalsjahr: die Strepponi kreierte die Abigaille in Verdis „Nabucco“ an der Mailänder Scala – und obwohl die Rolle ihre stimmlichen Mittel überforderte, ja vielleicht sogar nachhaltig schädigte, schlug der Blitz in beider Herzen ein. Verdi war dabei der 29-jährige Witwer, der ein neues Glück fand. „La Strepponi“, 27-jährig, hatte dagegen ein wild bewegtes Liebesleben mit nicht nur zahlreichen Affären, sondern auch drei unehelichen Kindern hinter sich. War schon dies skandalös, so noch mehr, dass Verdi und sie von 1846 an in „wilder Ehe“ zusammenlebten und erst 1859 heirateten.

Giuseppina aber wurde die treue Weggefährtin, die alle Launen, Krisen und Anspannungen Verdis erduldete und zu lindern suchte. Gerne wüssten wir mehr über beide, doch gegen Jahresende 1900, beim letzten Aufenthalt auf seinem Landgut Sant’Agata, verbrannte der 87-jährige viele persönliche Dokumente, darunter die Briefe von Giuseppina, auch die von Star-Sopranistin Teresa Stolz, der Begleiterin seiner letzten Jahre. Verdi und die Frauen? Wir müssen uns an seine Bühnenheldinnen halten!